2 Monate Irland – Erfahrungsbericht von Sophia Lehner

Endlich, am 04. April 2013, war es so weit. Der Tag, an dem mein großer Traum, einige Wochen in einem anderen Land zu leben, in Erfüllung gehen sollte, war da. Nachdem ich noch einige Tränen am Flughafen vergoss, flog ich zusammen mit Miriam aus Erlangen, einer weiteren deutschen Gastschülerin, von München nach Dublin. Dort angekommen, stieg meine Aufregung und Nervosität merklich. Als ich aber meine in Malahide wohnende Gastfamilie kennenlernte, fühlte ich mich vom ersten Moment an wohl und sicher. Meine Gastmutter Grainne Kenny, eine Mode-Designerin, ihre zwei Söhne, Dylan(16) und Christopher (11), die brasilianische Haushälterin Andrea und anfangs noch der mexikanische Gastschüler Aaron, wohnten zusammen in einer Doppelhaushälfte in dem Vorort von Dublin.

Zur Schule ging ich in die Portmarnock Community School im Stadtteil Portmarnock. Mein Schulweg dauert mit dem Bus etwa 15 Minuten. Wie an allen irischen Schulen strengstens vorgegeben, müssen alle Schüler eine Schuluniform tragen, so auch ich. Anfangs war es sehr ungewohnt, aber ich gewöhnte mich schnell daran. Schon am ersten Schultag lernte ich viele Austauschschüler aus Spanien, Deutschland, Österreich und Schweden kennen. Anfangs war ich begeistert, soviel unterschiedliche junge Leute kennen zu lernen. Allerdings zeigte sich schon bald, dass es eine Herausforderung war, Freundschaften zu irischen Jugendlichen aufzubauen. Da irische Schüler gewöhnt sind, ständig Austauschschüler um sich zu haben, ist dieser Umstand nichts Besonderes für sie. Kaum jemand kam auf mich zu. Alle Initiativen gingen von mir aus.

Ich besuchte an der öffentlichen Schule das 4. Jahr (10.Klasse). In Irland legen die Schüler in der 9. Klasse Prüfungen ab. Das sogenannte Transition Year, ein Orientierungsjahr, in dem kein Leistungsdruck mit Prüfungen und Noten ausgeübt wird und ist daher ziemlich locker. Auf meinem Stundenplan standen unter anderem Fächer wie Textile (Stricken, 2 Stunden pro Woche), Engineering (2 Stunden pro Woche), Third World Studies ( auch 2 Stunden pro Woche, in dem Fach gingen wir in den Schulgarten und pflanzten Knoblauch und Karotten an und gingen Müllsammeln). Abgesehen von diesen ungewöhnlichen Fächern hatten wir auch Irisch, Englisch, Deutsch, Mathe, Chemie, Informatik und Sport.

Der Unterrichtsstoff war mir meist schon bekannt. Dadurch fiel mir das Verstehen der Lehreransagen leichter. Auch die Lehrer nehmen dieses Übergangsjahr sehr locker. Ein Unterrichtstag dauerte außer mittwochs von 8.45 Uhr bis 16.00 Uhr. Der Mittwoch war der Halfday und dauerte nur bis 12.40 Uhr. Allerdings stand für mich am freien Nachmittag von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr ein Englischkurs meiner Organisation auf dem Programm. Die Betreuung der Organisation war sehr gut.

Nach dem Transition Year gibt es die Möglichkeit das Leaving certificate zu erwerben. Dazu müssen die Schüler ein 5. und 6. Jahr absolvieren. Diese beiden Jahren sind sehr anstrengend. Anfangs war alles neu und aufregend, aber nach ein paar Wochen hatte ich mich eingelebt. Am Wochenende unternahm ich viel mit Freunden und meiner Familie. Zusammen mit fünf deutschen Mädchen aus meiner Organisation fuhr ich an die Westküste und besichtigte unter anderem die Cliffs of moher. Es war unglaublich schön dort!

Ich habe in diesen zwei Monaten viel Neues kennengelernt und wichtige Erfahrungen gesammelt. So zum Beispiel ist den Iren ein vereinbarter Termin nicht so wichtig wie uns Deutschen. Diesen pünktlich einzuhalten, gehört nicht zu den Stärken vieler Inselbewohner. Auffallend ist die vergleichsweise konservative Einstellung der Bevölkerung. In der Öffentlichkeit halten sich die jungen Menschen auch daran. Händchen halten oder Zärtlichkeiten austauschen in der Öffentlichkeit ist wohl tabu.

Alles in allem hat es mir in Irland sehr gut gefallen und ich kann einen Auslandsaufenthalt bei einer Gastfamilie nur empfehlen!