11 Monate im Land des Tangos und guten Fleisches- Argentinien ist aber noch viel viel mehr! Dafür habe ich mich sehr kurzfristig entschlossen. Ich wollte einfach raus aus Deutschland und ein bisschen die Welt sehen und mit Argentinien hätte ich keine bessere Wahl treffen können!

Zwar konnte ich noch gar kein Spanisch, beziehungsweise nur „hola, ¿como estas?’’, das habe ich dann aber alles dort von den Leuten gelernt und habe am Ende dann sogar eine DELE-Prüfung ablegen können.

Auch sonst habe ich sehr viel gelernt: alles Mögliche über die Kultur Argentiniens und Lateinamerikas, eine lockerere Lebenseinstellung, über die Geschichte, Tango und Cuartetto tanzen und wie schön es sein kann in einem funktionierenden Staat wie Deutschland aufgewachsen zu sein. In Cordoba erwartete mich schon mal stundenlang auf Busse warten, zeitweise ohne Strom oder Wasser leben und endlose Streiks.

Cordoba hat allerdings eine super Musikszene. Zum Beispiel die Cordoba Jazz Woche oder Cosquin Rock! Auch typisch alte Folklore und Rock, die öfters in Bars gespielt wurden, fand ich so schön, dass ich Gitarrenstunden genommen habe und am Ende sogar selber auftreten durfte. Ich hatte auch meine Geige schon aus Deutschland mitgebracht und bin ins Uni-Orchester eingetreten. Dort habe ich super Freunde gefunden. Es hat Spaß gemacht immer wieder an verschiedensten Orten der Stadt (sogar im Stadttheater Cordoba) zu spielen. So habe ich viele Teile der Stadt kennen gelernt, in die ich sonst nicht gekommen wäre. Auch vom Land habe ich viel gesehen wie las Cataratas de Iguazu, el Perito Moreno, Mendoza, Salta-Jujuy-Tucuman, Buenos Aires natürlich, Puerto Madryn mit den Waalen und Pinguinen, Bariloche und ich bin sogar ans Ende der Welt gekommen: Ushuaia. Argentinien ist für mich bis jetzt das landschaftlich wunderschönste und vielfältigste Land, das ich je gesehen habe. Und seine Größe ist einfach beeindruckend. Man kann zum Beispiel durch Patagonia fahren und man sieht 5-6 Stunden einfach nichts außer ein paar Lamas, dann kommt eine Tankstelle und wieder stundenlang einfach nichts.

Doch das Schönste für mich in Argentinien waren meine Freunde und Gastfamilie. Gleich am ersten Tag wurde ich in der Schule direkt am Tor empfangen, komplett ausgefragt und mein angeblich blondes Haar bewundert. Am nächsten Tag hatte ich Geburtstag, was sie natürlich rausgefunden haben, und sie haben mir eine riesige Torte in die Schule mitgebracht und eine große Feier abends gemacht, obwohl sie mich ja noch überhaupt nicht kannten. Ich habe mich mit meiner Klasse so super verstanden, dass es mir morgens sogar nicht mehr schwer gefallen ist, so früh aufzustehen, obwohl es ja bei den Argentiniern abends immer sehr spät wird.

Auch die argentinische Feierkultur ist sehr anders. Man trifft sich immer zur “previa“ gegen 11-12 Uhr in irgendeinem Haus und geht dann gegen 2 Uhr in eine „boliche“ also Disco und gegen 6 Uhr dann zu Mc Donalds. Ich war immer mit meiner Gastschwester aus, die ein eigenes Auto hatte. Wenn sie nicht fahren konnte, haben wir ein Taxi genommen. Meine Gastmutter und Gastoma wussten immer bescheid, wenn wir irgendwo waren.

Meine Gastschwester und ich haben uns total gut verstanden und sie hat mich vor Lachen immer zum Heulen gebracht. Und sie hat mich komplett von der argentinischen Fußballmannschaft überzeugt. Die WM-Spiele haben wir immer mit der kompletten Familie angeschaut. Die argentinische Fußballleidenschaft mit anzusehen war sehr lustig.

Jeden Tag war etwas los, man hat immer etwas erlebt – es war definitiv das schönste Jahr meines Lebens! Nur dass ich dann gehen musste war schlimm, weil ich wirklich Freunde fürs Leben gefunden habe und ich mich auch mit meiner Gastschwester und -Familie so super verstanden habe, dass es mir unglaublich schwer gefallen ist zu gehen. Wir schreiben und skypen fleißig und ich werde so bald ich kann wieder zurück fliegen!