Mai 2014

Schon ganz am Anfang im Mai hatte ich meine Deutsch-Hörverstehensprüfung mit der ich meine GCSE Prüfung abgeschlossen habe – die Ergebnisse habe ich noch nicht.

Dafür wurden die „Reports“, die Zeugnisse verteilt. Der Unterschied ist nur, dass die englischen Zeugnisse um einiges ausführlicher sind. Für jedes Fach gibt es eine schriftliche Beurteilung, seine Target Grade, dass ist die Note, die man erreichen soll, dann natürlich die Note die man zur Zeit hat und eine mündliche und eine Hausaufgaben-Note. Mein Zeugnis ist besser ausgefallen, als ich es vermutet hatte, und um das zu feiern sind wir mit der ganzen Familie Italienisch essen gegangen.

An einem Wochenende hat der Vater meiner Gastmutter Freya, Freyas Cousine Hattie und mich auf ein Konzert eingeladen. Die Konzerthalle war richtig schön und richtig groß! Und wir hatten einen echt tollen Abend, vielleicht auch weil wir von Freyas Oma großzügig mit Schokolade versorgt wurden ;) Die folgende Nacht haben wir drei Mädels bei den Großeltern übernachtet und am Sonntag richtig schön Englisch gefrühstückt.

Ende Mai, in den Half-Term-Holidays bin ich mit meiner Gastfamilie nach Wales campen gefahren. Am Donnerstagmorgen sind wir los, zweieinhalb Stunden in die Nähe von Cardiff, der Hauptstadt von Wales. Der Campingplatz war mitten zwischen den walisischen Hügeln und Schafen. Als wir das Zelt aufgebaut haben, war es noch ziemlich nebelig und regnerisch, aber als wir gegen Abend etwas weiter in ein echt gutes Restaurant gefahren sind, ist der Himmel schon ein bisschen aufgerissen.

Als wir wieder im Zelt waren, haben wir bis ziemlich spät in die Nacht UNO und Stadt, Land, Fluss gespielt.

Am nächsten Tag sind wir nach Swansea, einem hübschen Fleckchen Erde, am Meer (auch wenn wir davon nichts gesehen haben) gefahren. Dort gab es nette, alte Gässchen und eine sehr schöne Promenade sowie einen Hafen und ein Museum über die Technik während der industriellen Revolution. Danach haben wir an dem Hafen zu Mittag gepicknickt und sind darauf wieder zum Zeltplatz gefahren. Am Abend gab es Eins der Highlights: Wir sind an den Strand zu einer Art Jahrmarkt gefahren, das heißt Zuckerwattenstände und kleiner Achterbahnen. Während die Kleineren Eisenbahnen und Autoscooter gefahren sind, sind Freya und ich alleine losgezogen. Das Beste war eine Schiffsschaukel mit direktem Blick aufs Meer!

Den Samstag haben wir mit einem großen Frühstück auswärts begonnen. Dann sind wir wieder in ein Museum und danach direkt an den Strand. Das Wetter war inzwischen richtig schön und der Strand war einfach riesig! Zum Abendessen haben wir uns Fish & Chips von dem besten Fish & Chips Laden in England bestellt.

Bevor wir am Sonntag wieder nach Hause fahren mussten, haben wir am Abend einen langen Spaziergang über die Hügel und Schafswiesen und durch den ein oder anderen Bach gemacht.

Gerade am schönsten Tag, dem Sonntag, als wir sogar draußen unsere Sausage & Bacon Sandwiches gefrühstückt haben, mussten wir wieder nach Hause.

Was mir zur Zeit sehr gefällt ist, dass wir in der Schule neben den normalen Unterrichtsstunden sehr viele Informationen zu der Sixth Form, College und der Universität bekommen, was ich unheimlich interessant finde und auch schade, dass ich das nicht machen kann.

Ich merke schon, dass meine Freunde tolle Pläne für die letzten Wochen haben, damit wir noch mal richtig viel Spaß zusammen haben. Sie wollen mir eine schöne Zeit und den Abschied richtig schwer machen! Als ob der nicht schon schwer genug werden wird… Auch wenn ich nach meinen ersten paar Wochen nicht gedacht hätte, dass ich das mal sagen würde, jetzt ist es so: Ich könnte echt noch länger bleiben, und Lust darauf in vier Wochen nach Hause zu fliegen habe ich nicht!

Im Vergleich zu der vergangen Zeit sind vier Wochen ja wirklich nicht viel. Wirklich nicht!

 

April 2014

Der April fing schon mal super an: Im ersten Assembley des Monats wurden Headteacher´s awards verliehen. Das sind Auszeichnungen, die von der Schulleiterin für besondere Leistung verliehen werden. Für jedes Fach werden Schüler nominiert und schließlich ein Schüler ausgewählt, dem der Award verliehen wird. Der Award besteht aus einer Urkunde und einem Anstecker, den man am Schulpullover trägt. Und dann kam die Überraschung: Der letzte Award, der verliehen wurde, der für Physik – ging an mich! Das hat mich natürlich unglaublich gefreut und ich trage den Award seitdem mit Stolz ;)

Am ersten Wochenende haben Freya, Bella, fünf weitere Freunde und ich bei Michaela und Richard übernachtet. Am Abend haben wir debattiert und gesungen. Nachdem Michaela und Richard zu Bett gegangen waren, sind wir zurück in die Küche und haben Sahne und Rasierschaum unter die Türklinken gesprüht, den Inhalt der Schränke vertauscht und Richard Majonäse in die Schuhe gemacht. Aus Angst haben wir dann aber die Hälfte wieder rückgängig gemacht. Es war aber mit Sicherheit eine der besten Übernachtungen die ich je hatte!

Zwei Wochen später waren dann auch schon Osterferien. Am Montag bin ich mit meiner Gastfamilie nach Stratford gefahren. Das ist der Geburts- und Sterbeort von Shakespeare. Aber abgesehen davon ist es ein wunderhübsches Fleckchen Erde mit einem schönen Fluss, einem noch schöneren Park und einer supertollen Altstadt. Und das Wetter meinte es auch noch gut mit uns. Ein Zwischenstopp auf einem kleinen Spielplatz am Abend rundete den perfekten Tag ab. Sonst war in der ersten Woche nicht viel los. Einmal waren wir noch picknicken in einem Park. Dieser Park liegt etwa fünf Kilometer entfernt und die Strecke sind meine Gastmutter und ich gejoggt.

Um Ostern selbst habe ich mir nicht viele Gedanken gemacht, aber als es dann soweit war, habe ich doch ein wenig Heimweh bekommen. Nach der Osternacht und so… Zuerst hatte ich ja gedacht, dass Ostern etwas kleiner ausfallen würde. Aber dann habe ich nicht nur von meiner Gastfamilie, sondern sogar auch von meiner Gasttante und Onkel und meinen Gastgroßeltern etwas bekommen. An Ostern schenkt man sich hier große Schokoladeneier und davon habe ich drei bekommen.

Am Mittwoch in der zweiten Woche kam Bella und wir sind zusammen ins Kino in die Stadt gefahren um „Divergent“ zu gucken. Es war total toll, aber an der Kinokasse hatte ich noch ein bisschen Probleme, aber Bella hat sich tierisch amüsiert. Als wir aus dem Kino raus sind, hatten wir die Wahl zwischen etwas essen oder ins nächste Kino. Wir sind also aus dem Kino raus, zwei Straßen weiter und ins nächste Kino rein. Als wir gegen elf nach Hause gekommen sind, haben wir zu Abend gegessen und dann hat Bella bei mir übernachtet. Am nächsten Tag haben wir es kaum richtig aus dem Bett geschafft. Dann sind wir im Schlafanzug zum Supermarkt gegangen und haben Cornflakes und Schokolade gekauft, weil wir Schokocornflakeskuchen backen wollten. Am Donnerstag ging es weiter bei Bella, die ihren Geburtstag mit Megan und mir nachfeierte. Wir sind gemeinsam ins Zentrum von Birmingham gefahren und waren shoppen. Wir haben abends mit Bellas Bruder Jacob noch einen Film geguckt, bevor wir gegen 2 Uhr morgens ins Bett gegangen sind. Den ganzen Samstag habe ich noch bei Bella verbracht, bevor ich zum Abendessen nah Hause gelaufen bin.

Am Montag ging es dann zurück in die Schule. Das war gar nicht so schlimm, wie ich dachte. Einerseits weil es schön war die andern wiederzusehen und mir der Unterricht nach wie vor Spaß macht und andererseits weil das Wetter jetzt richtig sommerlich ist und wir die Mittagspausen größtenteils draußen in der Sonne verbringen. Das ist richtig schön!

 

März 2014

Wie die Zeit vergeht. Einerseits kommt es mir vor wie eine Ewigkeit, dass ich hier bin, andererseits ist es so WOW, schon Halbzeit?! Das ist so unglaublich!

Der letzte Monat war wunderbar normal. Es war schon klar, dass dieser Monat recht unspektakulär wird. Keine Examen, keine Ferien…

Der Höhepunkt war wohl die Harry-Potter-Studio-Tour in der Mitte des Monats, den meine lokale Betreuerin für all ihre Schüler organisiert hatte. Sonntagmittag wurden Freya und ich von dem Mann und den Töchtern meiner lokalen Betreuerin abgeholt und dann ging es in Richtung London und den Harry Potter Studios.
Als wir dort ankamen war ich erstmal total überwältigt von dem Anblick – es war so groß!
Vor dem Eingang standen dann auch schon ein paar der Schachfiguren aus dem “Stein der Weisen”. In der Eingangshalle hingen überall riesige Bilder der Darsteller und das blaue Auto aus der “Kammer des Schreckens”. Und dann, als wir in der Anstehschlange standen, gab es schon das erste kleine Highlight -  Das erste Set. Harrys erstes Zimmer – der “Cupboard under the Stairs”. Mann war der klein. Noch kleiner als er im Film aussah. Und dann ging es auch schon in den ersten Raum. Dort hingen die Kinoplakate aller acht Filme in allen möglichen verschiedenen Sprachen. Danach gingen wir in eine Art kleinen Kinosaal mit vier Reihen. Auf der Leinwand wurde ein Film abgespielt, auf dem die drei Hauptdarsteller ein wenig über das Set erzählten. Sie standen vor der Eingangstür der großen Halle.
Als der kleine Einführungsfilm zu Ende war, hob sich die Leinwand und dort wo noch eben Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint vor der Tür gestanden hatten, stand das Eingangstor in voller Pracht vor uns. Dann ging es los: Durch das Tor in die große Halle – wie im Film. Zwei der Häusertische waren gedeckt. Dahinter standen Puppen mit einigen Kostümen der Darsteller. Uniformen aller vier Häuser und das Kostüm der grauen Dame. Vorne war die große Tafel der Lehrer. Davor standen wieder Puppen mit den Originalkostümen der Darsteller. Dahinter hingen die Stundengläser. Darauf ging es weiter in die nächsten Räume.
Überall waren Kostüme, Sets, Bilder, handgeschriebene Zeitungen, Briefe, Kessel, Besen und so weiter und so weiter. Es ist unglaublich wie viel Liebe und Hingabe hinter all dem steckt. In den Filmen kommt das gar nicht so rüber. Schon gleich nach den Weihnachtsballkostümen (“Feuerkelch”) und den Kostümen von Bills und Fleurs Hochzeit (“Heiligtümer des Todes Teil 1″) stand das große Tor aus dem 6. Film. Es war schwer ein Foto ohne irgendwelche anderen Leute darauf zu bekommen, aber ich wollte ja auch ein Foto vor dem legendären Tor haben. Ich habe eine aus unserer Gruppe entdeckt und sie gefragt, ob sie nicht ein Foto von mir machen könnte. Als das im Kasten war fragte sie mich zurück und gab mir ihr Handy. Nachdem ich das zweite Foto gemacht hatte stutze ich. “Löschen. Einst.” stand auf ihrem Handy. Das war nicht Englisch! Die Begeisterung war entsprechend groß, als ich sie darauf ansprach und wir aus dem Redemodus gar nicht mehr heraus kamen.
Wir durften sogar vor einem Greenscreen auf einem Besen reiten. Das war vielleicht cool!
Die große Halle und auch der Gemeinschaftsraum kamen mir viel kleiner vor als im Film. Am tollsten fand ich das Zauberministerium und das Zaubertrankklassenzimmer. Ganz viele kleine Gläser mit den seltsamsten Zutaten.

Danach ging es raus. Und das war schon ein besonderer Anblick. Abgesehen von dem lilafarbenden, dreistöckigen Bus und Tom Riddles Grab hatten die Leute doch tatsächlich zwei Häuser des Ligusterwegs und das Haus von Harrys Eltern nachgebaut. Dort gab es auch einen Stand bei dem man Butterbier kaufen konnte. Das ließ ich mir natürlich nicht nehmen.
Im nächsten Gebäude waren ganz viele Modelle der Kobolde und allerlei magischer Wesen. Leider gab es auch ein Modell der Riesenspinne. Dass das an der Decke hängen musste…
Wenigstens ging es danach zur Winkelgasse. Und die war einfach nur WOW.  Da drehen zu dürfen muss ein Traum sein…
Und dann kam es: Das Schloss. Als wir in den Raum kamen blieb mir erstmal der Mund offen stehen. Ich war so überwältigt. Zwar nicht in Originalgröße, sondern nur als Modell, aber es war wieder so detailreich gestaltet. Da waren teilweise Orte hinter dem Schloss, an die ich mich gar nicht erinnern kann, sie jemals im Film gesehen zu haben. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu fotografieren. Es gab so viele verschiedene Winkel aus denen ich fotografieren wollte und die ich festhalten wollte.
Zum Abschluss ging es in einen Raum der von dem Boden bis zur Decke voll mit Zauberstabschachteln geräumt war. Sogar über dem Türrahmen waren Schachteln. Auf jeder dieser Schachteln stand ein Name eines Crewmitglieds, der am Film beteiligt war. In dem Raum stand jemand, der auf Knopfdruck jeden Namen fand, den man ihm nannte. Dann war es leider auch schon vorbei. Naja was heißt schon… Paula und ich hatten eine halbe Stunde länger gebraucht als die anderen. Zum Abschluss gab es einen Riesenandenkenladen. Dort gab es super Sachen. Zauberstäbe, Schals, Umhänge – einfach alles. Aber so teuer…

Sonst hat man im letzten Monat gemerkt wie der Frühling anfängt, es wird wärmer, weniger regnerisch und überhaupt hebt sich überall ein wenig die allgemeine Stimmung. Es gibt auch schon Tage an denen ich ganz schön mit meinen beiden kleineren Gastgeschwistern im Garten spielen kann. Riesentrampolin springen, fangen spielen… Es ist schon schön zwei kleine Wirbelwinde im Haus zu haben.

Ich habe vor zwei Wochen die Taizé-Gemeinde in Birmingham für mich entdeckt. Und beim zweiten Mal, am Dienstag gleich Isabella mitgenommen. Wir mussten danach zwar fast eine Stunde auf den Bus warten, aber das war es wert. Von Dienstag auf Mittwoch hat Isabella bei mir übernachtet und am Abend haben wir bis nach Mitternacht geredet, was aber nicht so schlimm war, weil am nächsten Tag eine Art Discovery-Day hatten, an dem uns die verschiedenen Optionen, vorgestellt wurden, die uns nach der elften Klasse offen stehen. Naja eher, die die den anderen offen stehen, denn wenn man mich fragt, was ich nach der elften Klasse mache, sage ich nur: Schwierige Sache, wie wär’s mit der zwölften?? ;)

Aber es war schon interessant zu sehen, was es hier so für Möglichkeiten gibt. College, was eigentlich wie die gymnasiale Oberstufe bei uns ist. Dann gibt es Apprenticeship, das so ähnlich ist wie bezahltes arbeiten ohne studieren, aber worum es genau ging, habe ich nicht verstanden… Als dritte Möglichkeit wurde uns die Sixth Form vorgestellt, die Möglichkeit, die Schule an der Secondary School und nicht am College zu beenden. Bei all diesen Optionen geht es darum sich mehr in eine Richtung zu spezialisieren. Danach kamen noch Leute von Universitäten, die uns über das Studieren an der Uni informierten. Mich ging das ja nichts an, aber wenn ich meinen „englischen Weg“ nach der elften Klasse wählen müsste, würde ich den Weg über das College an die Uni wählen.

Der Sportunterricht macht immer mehr Spaß. Schade, dass wir nur alle zwei Wochen Athletik haben. Wir gehen meistens auf die Wiese vor der Schule und machen dann Kugelstoßen, Sprinten oder Ausdauer lauf. Die Athletikgruppe ist eine eingeschworene kleine Clique und die Sportstunden machen immer total Spaß, vor allem wenn es in eine Grasschlacht ausartet.+

Dieses Wochenende war ich mit meiner Gastfamilie in einem kleinen, aber feinen Theater im Zentrum von Birmingham. Bei der Produktion wirkte mein Gastvater mit und es war wirklich ein schöner Abend. Einerseits war es ziemlich lustig meinen Gastvater auf der Bühne zu sehen, andererseits war es ein wunderschöner Familienabend mit Auntie Netty, Tim und Hattie.

Am Mittwoch war ich nach der Schule bei Isabella und nächstes Wochenende gibt es eine Riesenübernachtungsparty und Kino mit meiner Clique aus der Schule.

Der Muttertag wurde hier größer gefeiert, als wir ihn bei uns zu Hause feiern. Die Großeltern waren eingeladen, wir hatten ein rieeesiges Dinner und ich habe einen Kuchen für die ganze Familie gebacken.

Im Mai stehen meine GCSE in Deutsch an. Normalerweise schreibt man die Prüfungen erst am Ende der 11. Klasse, aber die Lehrer dachten, es wäre vielleicht schön wenn ich eine bestandene GCSE Prüfung (ich gehe mal davon aus, dass ich eine Prüfung in Deutsch bestehe) mit nach Deutschland nehmen kann und außerdem ist es auch eine weitere Erfahrung, auf die ich sehr gespannt bin.

Februar 2014

Der Höhepunkt des Februars waren wohl die Ferien am Ende des Monats. Dienstagnacht kamen die Eltern und eine der Schwestern meines Gastvaters aus Kanada eingeflogen, um seinen Geburtstag zu feiern.

Die Geburtstagsfeier an sich fiel recht klein aus mit Kuchen und einem Restaurantbesuch im engen Familienkreis.

Interessant wurde es dann am Mittwoch, als wir uns auf den Weg zum „Oliver House“ in Wales machten. Meine Gastschwester Freya, Freundin Isabella und ich waren ein unzertrennbares Dreierteam. Direkt nach der Ankunft machten wir uns auf den Weg um die Gegend zu erkunden. Zuerst gingen wir zum Strand. Dafür musste man nur über die Straße, einen kleinen Weg entlang, über die Eisenbahnstrecke und schon war man dort. Danach ging es in die andere Richtung in den Wald und auf die Hügel. Egal wohin man in Wales will – Ein Weidengatter einer Schafswiese muss man immer öffnen :D Auch hier waren die Landschaft und der Ausblick einfach überwältigend.

Am Abend saßen alle (Meine Gastfamilie, die kanadische Verwandtschaft, Isabella, Emily & Familie) gemütlich bei Tee und Punsch beieinander im Wohnzimmer und sahen uns die olympischen Winterspiele an. Die Kanadier nehmen die Spiele seeeehr ernst. Und beim Curling-Finale England gegen Kanada bildeten sich zwei Fronten: Die englische auf der einen Seite und die kanadische auf der anderen. Und ich alleine in der Mitte :P

Am nächsten Tag gingen wir gemeinsam nach Barmouth, wo wir am Strand Fish & Chips zum Mittagessen hatten. Danach traf ziemlich spontan der Rest von Bellas Familie ein.

Den Rest des Tages verbrachten wir am Strand.

Am nächsten Tag machten wir uns alle gemeinsam zu einer langen Wanderung zum „Blue Lake“ auf. Die Landschaft erinnerte mich, abgesehen von den ganzen Schafen, sehr an die Alpen über der Baumgrenze.

Den Urlaub rundeten wir mit einem Lagerfeuer, Stockbrot und Marshmallows am Strand ab, bevor es am Sonntag zurück nach Handsworth Wood ging.

Am Montag hatten wir noch frei, dann gingen die Examen los. Das lief folgendermaßen ab: Jeder Schüler hatte schon im Voraus einen Examen-Stundenplan bekommen, auf dem alle Examen, wo sie stattfinden und welchen Platz man hat sowie die Kandidatennummer drauf stehen. Die Sitzpläne hingen jeden Morgen noch vor der Assembley-Hall aus. Die beiden Räume, in denen die Examen stattfanden, waren die besagte Halle und das Dance-Studio. In den Räumen standen eine Menge Einzeltische in Reih und Glied. An einer der Wände hingen Buchstaben und an der andern Zahlen, sodass jedem Tisch eine Koordinate zugeordnet war, z.B. 5;F. Bevor man den Raum betrat, musste man seine Stifte (schwarz) aus seinem Mäppchen herausnehmen und seine Tasche in einen separaten Raum legen. Auf dem Platz lag ein kleiner Zettel mit Name des Examen, Namen der Schülerin, Central-Nummer (20115) und Kandidatennummer. Dann wurden die Zettel verteilt und ein Prüfer ging mit uns durch die Regeln. An die Tafel wurde die Uhrzeit von dem Beginn und dem Ende des Examens geschrieben und dann durfte man loslegen. Die Woche war doch ziemlich stressig. Das Englisch-Examen zum Beispiel ging 135 Minuten und manche hatten sogar fünf Examen an einem Tag. Mein Maximum war ein Glück „nur“ vier.

Jetzt sind alle furchtbar aufgeregt wegen der Ergebnisse. Das Physik-Examen haben wir schon zurück. Ich bin mit einem B die zweitbeste in meinem „Set“, was mich schon ein wenig stolz macht.

Ich freue mich jetzt furchtbar auf den März, alleine weil es immer wärmer und weniger regnerisch wird. Außerdem hat meine Betreuerin einen Ausflug zu den Harry-Potter Sets organisiert, an dem Freya und ich teilnehmen.

 

 

Video High School Aufenhalt England Wales

 

Hallo zusammen,
wir haben ein tolles Video von Christina erhalten. Hier hat sie Ferien in Wales gemacht zusammen mit ihrer Gastfamilie. Aber seht selbst ;-)

 

Januar 2014

In der letzten Woche meiner Weihnachtsferien startete ich meine große Reise nach England. Diese startete erstmal mit einem kleinen Missverständnis; Während unserer Fahrt nach Frankfurt wurde ich angerufen, wo ich denn bliebe, meine Gastfamilie habe um 8!! Uhr am Flughafen auf mich gewartet. Das war dann aber schnell geklärt.

Der Abschied von meinen Eltern fiel mir dann doch recht schwer, aber auf der anderen Seite war ich furchtbar aufgeregt und gespannt auf die kommenden Monate. Trotzdem zitterten mir die Beine, als ich ins Flugzeug stieg, nicht zuletzt, weil ich eine schreckliche Flugangst habe. Der Flug verlief verhältnismäßig gesehen aber unerwartet gut ohne Panikattacken. Am Flughafen in Birmingham, der zweitgrößten Stadt in Großbritannien, wurde ich von meinen Gasteltern sehr herzlich in Empfang genommen. Ich wunderte mich erst wo meine Gastgeschwister (Freya, 13; Josie, 5 und Elyas, 2) waren, aber Autotür auf, Rückbank voller Gastgeschwister, Problem geklärt ;) .

Der Sonntag verging viel zu schnell und schon stand mein erster Schultag in der Handsworth Wood Girls´ Academy an. Ein wenig enttäuscht war ich schon, als ich nicht gleich in den Unterricht konnte, denn ich musste erst noch ein paar Tests machen, damit die Lehrer mich und mein Können „einordnen“ konnten. Ich ermahnte mich selbst in Geduld zu üben, was gar nicht so einfach war, denn diese Woche war mit Sicherheit die längste Woche meines Lebens!

Am nächsten Montag bekam ich meinen Stundenplan. Ich habe jeden Tag (außer mittwochs) fünf Stunden, die allerdings wirklich 60 Minuten und nicht nur 45 Minuten dauern. Das finde ich ziemlich gut, denn dadurch wird man nicht mit soviel Stoff “bombadiert” als wenn man fünf bis sechs verschiedene Fächer pro Tag hat. Die Schule beginnt jeden Tag um 8.40 Uhr mit 20 Minuten „Registration“. Da trifft man sich mit seiner Klasse und es wird einfach geguckt ob alle da sind usw.. Es gibt allgemein nur zwei Pausen; Nach den ersten zwei Stunden (15 min) und nach der dritten Stunde den „Lunchbreak“, welcher 1 Stunde dauert. Auf meinem Stundenplan stehen so tolle Fächer wie etwa Business Studies, Drama und Graphic Design.

Was ich über englische Schule sagen kann: In den Stunden ist es viel lockerer als in Deutschland – außerhalb ist es viel strenger als bei uns. Der Schule ist ihre Repräsentation nach außen seeehr wichtig. Ein Beispiel: Bei Feueralarm muss man schweigend auf den Hof gehen, sich in einer Reihe in der Reihenfolge der Klassenliste aufstellen und darf kein Wort sagen bis die Lehrer sagen, dass man wieder reingehen darf. Das kann schon mal 20 Minuten dauern. Das ist natürlich sehr angenehm im Januar mit Shorts und T-Shirts (und wer sich jetzt fragt warum ich im Januar Shorts und T-Shirts anhat – ich hatte Sport)… .

Die Reaktionen, darauf, dass ich Deutsche bin sind SEHR unterschiedlich. Meistens stoße ich auf Interesse, aber auch wenn die Engländer vielleicht am Anfang sehr herzlich sind, nimmt das schnell ab, was aber nicht heißt, dass sie das Interesse verloren haben. Man muss einfach von sich aus wirklich auf sie zugehen. Dazu musste ich mich am Anfang sehr überwinden, aber wenn man hartnäckig dabei bleibt, wird man belohnt ;) . Oft zeigen die Engländer (Schüler wie Lehrer) ihre – wenn auch spärlichen – Deutschkenntnisse. Der Standardsatz ist dabei: „Guten Tag“. Manchmal auch „Meine Name ist Claudia!“ oder „Wie gehts?“. Ein Lehrer hat mir sogar begeistert seinen Deutsch-Wortschatz gezeigt: „Schnell, schnell!“ „Raus!“ „Jawohl mein General!“. Wenn das mal nicht das Klischee der Deutschen bestärkt… :D . Ich bin aber auch schon auf Reaktionen gestoßen, die mich erstaunt wenn nicht sogar erschreckt haben. Jemand hat mich gefragt ob wir in unseren Klassenzimmern Bilder von Adolf Hitler hängen haben. Ich habe es erst für einen ziemlich makaberen Scherz gehalten, aber es war offensichtlich ernst gemeint. Was auch einmal vorkam war: „Die Deutschen waren im zweiten Weltkrieg und haben verloren. YES!“ Aber damit muss man wohl leben.

Auch ist mir aufgefallen, dass die Engländer das deutsche Schulsystem gar nicht zu kennen scheinen. Die bekommen schon große Augen, wenn ich sage, dass wir keine Schuluniform tragen müssen. Und sie finden meine Schule total hübsch und sagen sie sähe aus wie in einem Film. Ganz ehrlich, mein Gedanke war eher “Was? Der Betonklotz? Wenn ihr meint… . Aber schaut euch doch mal eure Schule an!”

Die Lehrer schauen auch immer wieder nach mir. Ich bin erleichtert, dass sie mich nicht einfach in den Schulalltag reinsetzten und sagen: “so mach mal!”, sondern sich wirklich um mich kümmern.

Was mich sehr gefreut hat ist, wie herzlich ich von der Familie (der GESAMTEN Familie) und deren Bekannten aufgenommen wurde. Da war kein erstmal kennen lernen angesagt, sondern ich habe sofort und wie selbstverständlich dazugehört. Besonders mit meiner ältesten Gastschwester Freya verstehe ich mich gut. Unsere gemeinsamen Backaktionen, das bis tief in die Nacht Fernseh gucken, reden oder Wochenendausflüge in die Stadt gefallen mir seeeeehr gut, auch weil ich ja so noch nie eine Schwester hatte. Ich habe dafür drei Brüder in Deutschland. Das ist also schon etwas anderes. Als nächstes steht ein Kinobesuch auf dem Plan :) .

Handsworth Wood ist ein typischer englischer Vorort. Nicht ländlich, aber auch nicht zu städtisch. Und das Beste: Der Park – drei Minuten Fußmarsch und man ist da!

Das Essen ist gar nicht so übel wie ich es erwartet hatte. Ich habe mich mal mit meinem Gastvater darüber unterhalten. Er ist Kanadier, das heißt wir dürfen uns über englisches Essen auslassen, bei uns gibt es ja besseres :D :D . Er hat mir erklärt, dass es nur daran liegt, dass meine Gastmutter wirklich kochen kann und das englisches Essen an und für sich wirklich schlimm ist :D .

In meinem ersten Monat wurde ich mit so vielen neuen Eindrücken konfrontiert, dass ich schon dachte ich würde mich nie eingewöhnen, aber es hat einfach seine Zeit gebraucht und obwohl England ja noch Europa ist, sind die Unterschiede doch recht groß. Aber “anders” heißt ja nicht immer schlecht und wenn ich wollte, dass es wie bei mir zu Hause ist, hätte ich ja gleich daheim bleiben können! :D

 

Viele Grüße aus England

Eure Christina

 

 

Über Christina

 

Christina ist die Gewinnerin unseres Stipendiums und ist nun für ein halbes Jahr an einer High School in England. Während ihres Schüleraustauschs in unserem England Basic Programm wird sie monatlich hier auf unserem Blog berichten.