Archiv für die Kategorie „Yannick in Argentinien“

Hallo,  ich heiße Yannick und habe das letzte halbe Jahr über Kolumbus High School in Argentinien verbracht.

Das ganze Abenteuer begann im Herbst 2011, als ich mich an einem Samstagvormittag auf der Jugendbildungsmesse in München über jegliche Art von Sprachreisen und Auslandsaufenthalten informiert habe. Denn wenn mir etwas klar war, war es, dass ich ins Ausland wollte. Und es gab auch einige schwerwiegende Argumente, die dafür sprachen: Erlernen oder Perfektionieren einer Fremdsprache, Kennenlernen einer anderen Kultur und vieles mehr. Also ließ ich mich an diesem Samstag vielseitig beraten und entschied mich nach langem Wanken und Zögern dafür, ein Highschool-Halbjahr mit Kolumbus Sprachreisen in Argentinien zu verbringen.

Ihr mögt euch jetzt sicherlich fragen: „Wieso denn ausgerechnet Argentinien?“. Naja, dafür gab es für mich mehrere Gründe. Zum einen hatte ich damals ein paar Monate zuvor mit Spanisch in der Schule begonnen. Natürlich sofort begeistert von der Sprache und dem Temperament, das beim sprechen mitschwang. Zum anderen wollte ich einfach mal weit weg in ein Land, dessen Kultur komplett anders ist als die unsere. Und nach längerem Ausknobeln zwischen verschiedenen spanischsprachigen Ländern, entschied ich mich schließlich für Argentinien, da man dort angeblich ein äußerst schönes Spanisch sprach.

Als alles entschieden war, sämtliche Anträge gestellt und alle Freunde informiert waren, konnte ich nur noch hoffen, dass alles glatt lief. Und tatsächlich Anfang März ging es dann los Richtung Argentinien. Ich war wie man sich natürlich vorstellen kann super nervös. Ich hatte riesen großen Bammel vor dem Flug und vor allem vor dem Umsteigen in London. Aber Gott sei Dank überstand ich alles ohne Kratzer und psychische Schäden und kam am Tag darauf in Rosario bei meiner Gastfamilie an, die mich schon gespannt mit Begrüßungsküssen erwartete. Noch von den Küssen geschockt versuchte ich zunächst etwas Schlaf zu erlangen und mich nach meiner endlosen Reise auszuruhen.

Doch bereits am nächsten Morgen hieß es dann „auf zur Schule!“ mit meinem Gastbruder Santiago im Gepäck. Und dort war wortwörtlich der Teufel los. Schlagartig wurde ich zur Attraktion der ganzen Schule. Beinahe alle wollten mit mir ein Foto schießen und reden. Letzteres fiel mir natürlich noch nicht so leicht, da mein Spanisch zu Beginn noch etwas holprig war. Aber darüber wurde einfach immer mit einem freundlichen Lächeln hinweg geschaut und zur Not Englisch gesprochen. Doch schon nach den ersten zwei Wochen kam auch mein Spanisch in Schwung, obwohl es zu 80% eher noch aus Gorilla-Spanisch bestand. Neben der sprachlichen Umstellung gab es auch noch viele weitere Änderungen in meinem alltäglichen Leben und Rhythmus. So musste ich mich beispielsweise als ehemaliger Vegetarier daran gewöhnen, täglich Unmengen an Kuhfleisch zu essen. Auch der Unterricht in Argentinien läuft vollkommen unterschiedlich ab. So hebt man dort nicht brav die Hand, um sich zu melden, sondern ruft einfach ins Klassenzimmer rein. Aber nicht nur das! Auch der Umgang mit den Lehrkräften ist dort eher lockerer als bei uns. So kommt es durchaus vor, dass sich Lehrer und Schüler duzen oder gar einen Begrüßungskuss geben. Neben all diesen Umstellungen, gab es allen anderen voran eine, die mich wie ein König fühlen ließ. So ist es in Argentinien nicht wie in Deutschland unbezahlbar sich ein Taxi zu nehmen. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Egal wann egal wo ich war, es hieß immer: „Komm Yannick, lass und ein Taxi nehmen“.

Aber nun Schluss mit den Vergleichen und auf zum Sozialen. Anschluss habe ich dank der absolut aufgeschlossenen Art der Argentinier überraschend schnell gefunden. Man küsst sich nämlich nicht nur gerne, die Argentinier sind auch über alle Maßen gast- und kontaktfreudig. So habe ich mich mehrmals die Woche mit meinen Freunden zum „Ratschen“ getroffen, wobei natürlich eine gute Tasse „Mate“ nie fehlen durfte. Oft verabredeten wir uns auch in den dort typischen „Panaderias“. In Argentinien trifft man sich nämlich nicht wie bei uns in Cafés sondern in Bäckereien, wo man gemütlich zusammensitzt, „masitas“ oder „pan con queso“ ist und sich über das neueste Geschehen austauscht. Die „Gauchos“ sind im Übrigen nicht nur sehr kommunikativ und offenherzig, sondern auch immer zum Feiern bereit. Egal ob in normalen Diskos oder auf den bombastischen Geburtstagsfeiern der 15-Jährigen, es wird durchgehend gefeiert, zu jedem irgendwie positiven Anlass.

Nach etwa zwei Monaten fühlte ich mich schließlich komplett akklimatisiert und war innerlich schon ein halber Argentinier. Nicht einmal in meinen wildesten Träumen dachte ich mehr daran, zurückkehren zu wollen. Doch nach 5,5 Monaten voller neuer Impressionen neigte sich alles dem Ende zu. In einer Woche hieß es dann „Chau Argentina – Hallo Deutschland“. Ich versuchte noch hektisch alle Dinge zu erledigen, die ich im letzten halben Jahr nicht geschafft hatte zu tun. Ich traf mich noch einmal mit meinen besten argentinischen Freunden und versuchte so viel „Mate“ und „Dulce de Leche“ wie nur irgendwie möglich in mich hineinzustopfen. Doch das alles half nichts, am 14.08.2012 musste ich meinen Rückflug in die in diesem Moment nicht so geliebte Heimat antreten. Etwas flau im Magen war mir dabei schon, als ich das Flugzeug Richtung London betrat. Doch eins wusste ich in diesem Moment ganz genau: „Dieses halbe Jahre würde ich nie vergessen!“