Archiv für die Kategorie „Sarah Maria in Irland“

Da war also mein letzter Monat angebrochen, irgendwie hat es mich ziemlich überrascht und es ist unglaublich, wie schnell die zweite Hälfte umgegangen ist. Im Nachhinein würde ich sagen, dass der März der beste Monat war. Nicht weil ich nach Hause gegangen bin, sondern weil ich mich mit meinen Freunden in Irland und auch meiner Gastfamilie so gut wie nie verstanden habe. Das liegt glaube ich einfach daran, dass es seine Zeit braucht, bis man solche Beziehungen aufbauen kann. Am Anfang hätte ich gedacht, dass es alles ganz schnell mit Freunden geht. Ich hatte immer Leute mit denen ich reden konnte und alles, aber bis ich Leute hatte, die ich wirklich Freunde nennen konnte, hat es seine Zeit gebraucht. Das war ein bisschen das Problem, denn wenn du eins auf deinem Auslandsaufenthalt nicht hast, ist das unendlich viel Zeit. Aber das wusste ich auch vorher und es wurde einem auch erzählt, dass wenn es mit Freunden richtig gut läuft, man schon fast wieder nach Hause muss. Letztendlich habe ich aber Freunde gefunden, die auch über die weite Distanz in Kontakt bleiben, von daher ist das fast schon wieder egal.

Am 17. März war St. Patrick’s Day. Das ist der Todestag des Schutzheiligen der Iren und das wird natürlich ganz groß gefeiert und Touristen aus aller Welt reisen an, um bei dem Spektakel dabei zu sein. Schon Monate vorher konnte man das Kommen des Feiertages in sämtlichen Geschäften, vor allem in den Touristen-Shops sehen. Nach und nach wurde Dublin immer grüner und überall tauchten Kleeblätter auf. Am Tag selber hatte ich mich mit meinen Freunden in der Stadt verabredet, um zusammen die Parade zu schauen und den Tag gemeinsam zu feiern. Das erste was ich sah, als ich in die Stadt kam, war .. nun ja.. grün! Alle Leute hatten sich grün angezogen und sich Koboldhüte aufgesetzt und sich die Flagge auf die Wangen gemalt. Die Stadt war unheimlich voll und ich versuchte mich irgendwie zur Spire, unserem Treffpunkt, durchzuquetschen. Dort angekommen war ich noch ein bisschen zu früh und da die Parade gerade anfing, wuselte ich mich also so nah es ging an die Absperrung heran. Anfangs konnte ich nicht viel sehen und ich steckte zwischen ein paar Portugiesen und einem Asiaten fest. Wenigstens wusste ich immer, wenn etwas passierte oder neue Attraktionen aufgeführt wurden, weil dann der Asiat komische Glucks-Laute von sich gab, was so ungefähr jede Minute passierte. Ich streckte meinen Arm mit der Kamera, so weit es ging in die Luft, um ein paar Fotos zu machen. Auf den Fotos sah ich dann mehr, als ich eigentlich gesehen hatte. Leider war auf fast jedem Bild ein Kobold-Hut abgebildet, den der Portugiese vor mir getragen hatte und mir die Sicht versperrte. Aber das ist nun mal St.Patrick’s Day. Die Parade war sehr gut und viele verschiedene Figuren wurden gezeigt. Es war vergleichbar mit den deutschen Karnevalszügen, auch wenn in Irland keine Süßigkeiten geworfen wurden. Nachdem die Parade vorbei war, fand ich endlich meine Freunde, die auch große Probleme gehabt hatten, sich bis zur Spire durchzuquetschen. Gemeinsam haben wir noch viele andere Leute aus aller Welt am St. Patrick’s Day kennengelernt.

Mein letzter Schultag war an einem Donnerstag. Der Tag war unglaublich traurig. Eine Freundin hatte Cupcakes für mich gemacht und eine andere einen Schal. Den ganzen Tag wichen wir einander nicht von der Seite. Alle Lehrer, die wussten, dass es mein letzter Schultag war, haben mir noch einmal die Hand geschüttelt und noch ein paar Worte gesagt. Selbst die Direktorin hat mich zum Abschied umarmt. Mich von meinen Freunden zu trennen, war jedoch am Schwierigsten. Schon in der letzten Stunde fing meine beste Freundin an zu weinen und konnte gar nicht mehr aufhören. Nach der letzten Stunde lagen wir uns also in den Armen und versicherten uns, dass wir uns bald besuchen würden.

Auch der Abschied von meiner Gastfamilie fiel mir nicht leicht, da mein Flug um 7 Uhr morgens ging und ich das Haus um 4:30 verlassen würde, sagte ich schon am vorigen Abend Tschüss zu meinem kleinen Gastbruder. Er ist erst 5 und er war so traurig und hat so geweint, dass es einem das Herz zerrissen hat. Meinen Gastvater sah ich dann am nächsten Morgen und gemeinsam mit meiner Gastmutter fuhr ich zum Flughafen. Dort lief alles ganz gut und mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen als ich sah, dass mein Koffer unter 20 kg wog, ich hatte nämlich viel zu viel gehabt und hatte schon unheimlich viel in Irland lassen müssen. Wenn ich zu viel gehabt hätte, hätte ich keine Ahnung gehabt, was ich hätte auspacken sollen. Der Abschied von meiner Gastmutter war auch traurig, aber es war noch so früh und es ging alles so schnell, dass es mir ganz unreal erschien. Sie hatte mir einen Brief geschrieben, den ich im Flugzeug lesen sollte. Das tat ich dann auch. Es war der schönste Brief, den ich je von jemandem bekommen hatte. Er war mit so viel Liebe geschrieben, schien aber gleichzeitig auch so traurig, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte.

In Deutschland angekommen, wurde ich von meiner Familie, ein paar Freunden und auch Teilen meines Handball-Teams erwartet. Ich war irgendwie noch gar nicht bereit, wieder zurück in mein altes Leben zu gehen. Aber ich hatte ja keine Wahl. Mittlerweile, das heißt 2 Wochen später, bin ich aber wieder ganz in Deutschland angekommen und habe mich an die ganzen Veränderungen gewöhnt. Ich habe zwar viele von meinen Freunden noch nicht gesehen, da sie im Urlaub sind und in der Schule war ich auch noch nicht, da ich momentan Ferien habe, aber das wird schon alles werden.

Rückblickend bin ich froh, dass ich diesen Auslandsaufenthalt gemacht habe, da er mir so viel geboten hat: viele Freunde, eine zweite Familie und ein Meer von Erfahrungen.

Jedem, der darüber nachdenkt ins Ausland zu gehen und sich noch nicht sicher ist, kann ich nur sagen: Macht es! Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich definitiv.

Dadurch, dass jetzt 2013 ist, kommt es mir so vor, als ob ich nur noch ganz wenig Zeit übrig habe. 2012 schien mein Abflugstermin immer noch so weit weg. Jetzt realisiere ich, dass ich nur noch knapp weniger als 3 Monate übrig habe und ich sehe, wie schnell die Zeit vergangen ist. Meine Freunde aus Deutschland wissen immer ganz genau, wie viele Tage oder Wochen es noch sind, bis ich zurück bin und eigentlich möchte ich das gar nicht wissen.
Zwar kann ich es gar nicht abwarten meine Freunde in Deutschland wieder zu sehen, aber ich möchte auch nicht, dass meine Zeit hier zu Ende geht und ich alles hinter mir lassen muss.
Meine Freunde in Irland haben schon vorgeschlagen, dass ich doch bei ihnen wohnen könnte. Ich bin sehr froh, dass Irland und Deutschland nicht so weit auseinander liegen und wir uns deshalb viel eher mal besuchen können, als wenn ich nach Amerika gegangen wäre.
Spätestens zu den Debs ( das ist die Feier, wenn die Iren ihr Leaving Cert bekommen) bin ich auf jeden Fall zurück!
Anfang Januar habe ich eine Touristentour gemacht. Da Dublin ja eine Hauptstadt ist, wird hier sehr viel angeboten und das muss man ja mal nutzen.
Diese Tour fing morgens um 6 an, man musste also sehr früh aufstehen und ging gegen 20 Uhr zu Ende. Zuerst sind wir nach Limerick gefahren und haben uns dort einen Stein angeschaut, der für die Geschichte Irlands und der Katholiken sehr bedeutend war. Das war aber nur ein sehr kurzer Halt, weil es auch noch sehr früh war. Danach sind wir zu den Klippen von Moher gefahren, die sehr beeindruckend waren. Der nächste Halt waren die Burren, das ist ein Limestone-Gebiet am Meer und danach waren wir noch in Galway. Abgesehen von Cork sind Limerick und Galway die größten Städte Irlands nach Dublin. Da ¼ der Bevölkerung aber in Dublin wohnt, sind alle anderen Städte schon wieder sehr klein. Von daher bin ich froh, dass ich in Dublin wohne, weil das dann noch ein bisschen fortgeschrittener ist, als der Rest Irlands.
Meine Wochenenden sind jetzt meistens auch ausgefüllt. Samstags mache ich was mit Freunden (Shoppen, ins Café gehen) und Sonntags mache ich was mit meiner Gastfamilie, z.B. Filmabende oder ins Restaurant gehen Da kann ich dann noch mal die irischen Gerichte ausprobieren, wobei es aber meistens nie etwas ohne Kartoffeln gibt ;)
In Home-Ec das ist ein Fach über Kochen, Haushalts-Management und so was, haben wir letztens Gemüse eingelegt. Unsere Lehrerin dachte nur weil ich aus Deutschland komme wäre ich Profi in Sachen Einmachgläser und Sauerkraut. Von daher wurde ich ganz genau ausgefragt, leider bin ich aber nicht so informiert und weiß nicht, was es für verschiedene Arten von Einmachgläsern gibt… Es gibt also doch noch ein paar Vorurteile über die Deutschen.
In Englisch lesen wir momentan Stolz und Vorurteil und bevor ich hierher gekommen bin, hätte ich niemals gedacht, dass ich das alles ohne Probleme verstehen würde, da das Buch nicht im modernen Englisch geschrieben ist. Aber das zeigt mir, wie sehr sich mein Englisch verbessert hat. Mittlerweile träume ich auch zumindest teilweise in Englisch. Es kommt darauf an, was ich träume. Wenn ich träume, dass ich in Deutschland bin und mit meiner Familie oder deutschen Freunden zusammen bin, träume ich auf deutsch und wenn ich träume, dass ich in Irland bin, träume ich in Englisch. Es ist auch immer schön, wenn ich von Freunden in der Schule Komplimente bekomme, dass ich doch mittlerweile fließend wäre.
Und das war ja eigentlich, was ich erreichen wollte.

Der Dezember war der Monat, vor dem ich mich am meisten gefürchtet habe, weil mir gesagt wurde, dass man um Weihnachten herum am meisten Heimweh bekommen habe. Letztendlich war es gar nicht so viel, aber ich fange erstmal mit Anfang Dezember an.

Also am 1. Dezember haben wir den Weihnachtsbaum aufgestellt, der leider nicht echt war, aber das ist in den meisten Häusern hier so und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Dadurch, dass die Iren den Weihnachtsbaum schon so früh aufstellen, würde ein echter Baum bis Weihnachten gar nicht überleben. Außerdem haben wir die Dekoration aufgehangen und als ich gesehen habe, wie unglaublich viele Kisten voll Deko meine Gastfamilie hatte, konnte ich meinen Augen gar nicht trauen. Nachdem wir zu Ende dekoriert hatten, sah es dann eigentlich mehr aus wie in einem Dekoladen als wie in einem Haus. Teilweise waren Sachen dabei, die so kitshcig waren, dass meine Mutter in Deutschland, die niemals auch nur ins Haus lassen würde… Aber dadurch war es umso weihnachtlicher.

Was ich dieses Jahr sehr vermisst habe, war zum Einem mein Adventskalender und zum Anderen Nikolaus, Nikolaus kennen die hier gar nicht, was ich sehr schade fand. Aber anderes Land, andere Kultur!

Da Irland ja nicht so weit von Deutschland weg ist, hatte ich die Möglichkeit für die Weihnachtsferien nach Hause zu gehen. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich einfach gerne die Möglichkeit wahrgenommen habe zu sehen wie die Iren feiern und die Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen. Ich wollte auch diesen Bruch nicht haben, dass ich 2 Wochen kein Englisch rede und außerdem glaube ich, dass es nach den 2 Wochen schwer geworden wäre, wieder zurück nach Irland zu kommen.

Also, bin ich hiergeblieben und bin auch froh, dass ich mich so entschieden habe.

Anders als in Deutschland wird hier am 25. Dezember gefeiert, am 24. sind wir am Abend nur in die Kirche gegangen. Der 24. war generell komisch, ich habe den ganzen Tag überlegt, was wohl meine Familie in Deutschland gerade macht. Abends habe ich mit meiner Familie in Deutschland geskypt, während die alle gefeiert haben. Ich fand es ziemlich gut, da es das erste Mal war, dass ich meine Großeltern, meine Großtante und Großonkel und auch meinen kleinen Bruder gesehen habe .Es war also ganz schön und eigentlich hatte ich nach dem Skypen auch gar kein Heimweh mehr. Danach sind wir dann alle früh zu Bett gegangen, weil wir am 25. früh aufstehen mussten. Hier bekommt man die Geschenke nämlich früh morgens, weil der Weihnachtsmann angeblich in der Nacht kommt. Deshalb mussten wir um 7 Uhr morgens aufstehen, um unsere Geschenke zu bekommen. Meine Gasteltern hatten auch Kleinigkeiten für mich: Handschuhe, Schal, Creme, Body Lotion, Schokolade. Worüber ich mich sehr gefreut habe. Zum Glück haben sie sich auch über meine Geschenke an sie gefreut.

Nachmittags sind wir zu den Verwandten von meiner Gastmutter gefahren und hatten dort unser Christmas Dinner, ganz traditionell Turkey & Ham, also Truthahn und Schinken. Vor dem Essen bekommt man Christmas-Cracker, das sind eine Art Knallbonbons. Es müssen immer 2 Leute an je einem Ende ziehen, dann zerreißt der Cracker und die Person mit dem größeren Ende darf den Inhalt behalten, das heißt ein Witz, ein kleines Spielzeug und eine bunte Pappkrone, die man beim Essen aufsetzt, wodurch dann alle gleich etwas lustiger aussehen ;) Am 26. Dezember war St. Stephen’s Day, da kamen alle Verwandten zu uns und im Prinzip haben wir nochmal genau das Gleiche gemacht.

Ich fand das Weihnachtsfest hier schön, aber das in Deutschland finde ich doch besser, weil es erstmal viel gemütlicher ist, die Geschenke am 24. auszupacken, als am 25. morgens, wenn alle noch müde sind und das deutsche Weihnachtssessen finde ich doch etwas leckerer.

Silvester war im Vergleich zu dem in Deutschland nicht so gut, dadurch dass hier Feuerwerk illegal ist und für mich gehört das einfach dazu und ich hatte immer das Gefühl, dass etwas fehlt. Sonst waren die Ferien ganz schön, ich habe mich mit Freunden getroffen und mich generell einfach mal entspannt, das war auch nötig, da wir in der Schule vor den Ferien unsere Christmas-Exams geschrieben haben. Da haben wir in  4 Tagen 6 Klausuren geschrieben und das war schon etwas stressig, allerdings ist hier die Schule größtenteils nicht so schwer wie in Deutschland und von daher, war es eigentlich okay.

Auf den November habe ich  mich schon lange gefreut, weil ich diesen Monat Geburtstag hatte. Meine Gastfamilie hat sich richtig Mühe gegeben. Erst wollten sie mir eine Überraschungsparty organisieren, was dann aber leider nicht geklappt hat. Von daher wusste ich, zwar dass ich eine Party bekomme, es war aber trotzdem schön. Nach der Schule sind ein paar Freunde zu mir gekommen und wir haben dann zusammen zu Abend gegessen. Mein Gastvater hat extra für mich spanisches Essen gekocht. Erst wollte er deutsches Essen machen, aber da meine Mutter Spanierin ist und wir zu hause mehr spanisches als deutsches Essen verzehren, hat er sich entschieden spanisches Essen zu machen, damit ich kein Heimweh bekomme und mich zu hause fühle. Meine Gastfamilie hatte auch einen Kuchen besorgt und ich musste Kerzen auspusten und mir was wünschen. Ich glaube es gibt nichts schöneres, als Pakete und Briefe von Freunden und Familie aus Deutschland zu bekommen. Jedes Mal, wenn ich etwas zugeschickt bekomme, habe ich das Gefühl ein Stück Heimat zu bekommen. Zwar sind mehr als die Hälfte meiner Briefe und Pakete zu spät bekommen, aber dass macht auch nichts.

Die Weihnachtsvorbereitungen haben auch schon angefangen. Meine Gastfamilie ist total weihnachtsverrückt und am 30. November fängt offiziel die Weihnachtszeit an. Zum einem haben wir angefangen den Irland November 2012Weinhnachtspudding zu machen. Das ist traditionell irisch und wir haben alle Zutaten zusammen gemixt, da kommt soviel rein: unglaublich viele Rosinen, Zitrone, Äpfel, Orangen, Brotkrumen, Rum, natürlich Guinness und noch ganz viele anderes. Wenn alle Zutaten in der Schüssel sind, muss jeder, der im Haus wohnt, die Mischung dreimal im Uhrzeigersinn umdrehen und sich dabei etwas wünschen, was man aber natürlich nicht verraten darf. Das ist ein irischer Brauch. Dann lässt man den Pudding über Nacht ziehen und am nächsten Tag wird er für 8 Stunden gekocht. Anschließend hängt man ihn für 3 Tage an die Decke. Dann ist er fertig. Außerdem haben wir die Toy-Show geguckt, dass ist eine Sendung in der ganz viele Spielsachen von Kindern vorgestellt werden und Kinder singen und tanzen, aber hauptsächlich geht es um Spielsachen. Diese Sendung schaut fast jeder in ganz Irland und alle Kinder sehen, was sie sich zu Weihnachten wünschen können.

So etwas haben wir in Deutschland gar nicht und das konnten die Iren gar nicht glauben.

In der Familie wird es jetzt auch immer familiärer und ich bin wirklich Teil der Familie. Ich habe jetzt schone einen Spitznamen und wir haben schon Ausflüge gemacht und es ist total schön. In der Schule habe ich jetzt auch meine Leute gefunden und es wird eigentlich nie langweilig.

Mit dem Heimweh geht es eigentlich auch noch, ich habe  nur manchmal so kurz Heimweh. Das ist dann immer ganz plötzlich und auch nur für eine halbe Stunde, dann würde ich einfach gerne wieder meine Freunde und meine Familie wiedersehen, aber dann lenke ich mich ab und mache etwas mit Freunden und dann geht es auch schon wieder. Bald ist schon die Hälfte meiner Zeit vorbei und auf der einen Seite ging es total schnell, aber auf der anderen Seite habe ich auch das Gefühl schon ewig hier zu sein. Jedenfalls freue ich mich schon riesig auf Weihnachten und kann es gar nicht mehr abwarten….. ;)

Es ist einfach unfassbar, wie viel in kurzer Zeit geschehen kann. Ich bin jetzt knapp über 2 Monate hier und es ist schon so viel passiert. Zum einem habe  ich mittlerweile meine Gastfamilie gewechselt, weil ich mich in meiner alten nicht wohl gefühlt habe. Ich möchte da jetzt nicht so genau drauf eingehen. Aber letztendlich hat es in der ersten Familie einfach nicht gepasst. Die Gastfamilie zu wechseln war schon komisch. Ich bin aber auch nicht von alleine drauf gekommen, zu wechseln, sondern die Organisation hat es vorgeschlagen, was auch eine ziemlich gute Idee war und der Wechsel ging auch relativ schnell. Als ich meine Sachen gepackt habe, war ich echt verwirrt, als ich gesehen habe, wie viel Gepäck ich hatte. Ich weiß nicht, wie sich dass in so kurzer Zeit so vermehrt hat.

Meine neue Gastfamilie ist richtig nett, ich habe einen kleinen Gastbruder, der ist 5 Jahre alt und 2 Gasteltern. Mein Gastvater ist total sportverrückt und er wollte sich direkt über den deutschen Fußball und Formel 1 mit mir austauschen. Verglichen zu meiner ersten Gastfamilie ist die neue total anders, aber ich fühle mich richtig wohl und ich werde auch als Mitglied der Familie gesehen, was total schön ist.

Letztens war Halloween und da das ja ursprünglich aus Irland kommt, wird das hier auch entsprechend gefeiert. Ich wohne in einer Siedlung mit relativ vielen Kleinkindern, von daher legen sich die Familien hier alle kräftig ins Zeugs um Halloween so schön wie möglich zu machen. Meine Gastfamilie hat im Vorgarten ein Zelt aufgebaut, Grabsteine auf den Boden gelegt, große Spinnen an die Wände gehängt, Skelette am Zelt befestigt und noch ganz viel andere Halloweendekoration. Dann stand eine Nebelmaschine am Boden und aus einem CD-Player kamen gruselige Gespenstergeräusche. Mein Gastvater hat sich als Skelett verkleidet und hinter das Zelt gestellt und wenn dann die Kinder kamen, hat er ihnen Süßigkeiten gegeben. Ich bin mit meiner Gastmutter und meinem Gastbruder um die Häuser gezogen und habe zugesehen, wie mein Bruder so viele Süßigkeiten gesammelt hat, dass er irgendwann seine Tasche nicht mehr tragen können. Es war aber total schön zu sehen, wie alle ihr Häuser dekoriert hatten und wie all die Kinder verkleidet waren. Später bin ich dann noch auf eine Halloween-Party gegangen und dort habe ich viele neue Leute kennengelernt.

In der Schule habe ich auch keine Probleme, wir haben momentan Ferien, aber vorher haben wir noch ein Zeugnis bekommen, dass war auch ganz gut.

Wir waren von der Organisation aus in Glendalough und Kilkenny. Glendalough liegt in der Countryside und es ist total schön, teilweise sieht es aus wie in Kanada. Kilkenny ist ein süßes Städtchen mit ganz vielen kleinen Cafés und Süßigkeitenläden. Es war ganz interessant auch mal andere Seiten von Irland zu sehen. Mittlerweile gewöhne ich mich auch immer mehr an Sachen, die am Anfang noch total komisch waren, zum Beispiel auch ans Essen. Eigentlich dachte ich, dass das nicht so anders ist, aber ein paar Unterschiede gibt es schon. Hier essen die eigentlich jeden Tag Kartoffeln und sehr viel Hühnchen und generell essen die hier ziemlich viel. Zum Lunch in der Schule kriege ich eigentlich jeden Tag Sandwiches, was aber ganz cool ist. Allerdings vermisse ich immer noch richtiges Brot und Brötchen. Hier gibt es nur Toast und unter Brot verstehen die dann Vollkorntoast. Aber daran gewöhnt man sich eigentlich schnell.

Momentan ist es so, dass mein Auslandsaufenthalt von Tag zu Tag besser wird und ich es wirklich genieße.

Ich bin jetzt knapp über einen Monat hier in Dublin und es wird immer mehr zum Alltag für mich. Es ist nichts Besonderes mehr, dass man die ganze Zeit auf Englisch redet und es fällt mir auch weniger schwer als am Anfang. Teilweise denke ich schon auf Englisch und dass ist ja eigentlich ganz gut.

Die Schule hier ist verglichen zu der deutschen Schule total anders. Erstmal gibt es, anders als in Deutschland, keine verschiedenen Schulen wie Gymnasium, Realschule und so weiter. Es gibt nur Secondary Schools, auf die dann alle Kinder nach der Primary School gehen. Demzufolge ist der Unterricht auch viel einfacher. Deshalb wurde ich in Französisch schon für eine Franzosin gehalten und in Mathe für ein Genie. Das ist auf der einen Seite echt erstaunlich, aber auf der anderen auch lustig.

Hier in Irland gibt es ein Transition Year, das wäre bei uns sozusagen die 10. Klasse.

Das Transition Year, ist dazu da, sich selbst neu zu entdecken, seine Stärken herauszufinden und um möglichst viel an Fächern auszuprobieren. Man bekommt dann ganz viele verschiedene Fächer, wie zum Beispiel   „Classical Studies“, wo man etwas über die Griechen und Römer lernt oder „Hair and Beauty“. Naja, der Name verrät eigentlich alles. (Ich bin auf einer Mädchenschule.)

Der 1. Schultag war total verwirrend, weil es einfach so viel Neues auf einmal gab. Neue Schule, neue Lehrer, neue Fächer, neue Mitschüler… und alles auf einer anderen Sprache. Am Ende des Tages war ich so überfüllt mit Informationen, dass ich die Hälfte wieder vergessen hatte. Falls ihr einen Auslandsaufenthalt macht, möchte ich euch einen Tipp geben: Habt nicht zu hohe Erwartungen; das heißt stellt euch nicht darauf ein, dass sich jeder für euch interessiert und dass alle auf euch zukommen. Es kann so sein, muss es aber nicht. Bei mir war es etwas schwieriger, weil die Leute in meiner Klasse nicht ganz so kontaktfreudig waren, aber mittlerweile bin ich nicht mehr im Transition Year, sondern im 5th Year, also eine Klasse höher, weil ich mich im TY ziemlich gelangweilt habe. Das ist halt nicht für jeden was und es war überhaupt kein Problem zu wechseln und in meiner Klasse jetzt fühle ich mich total wohl und der Unterricht ist auch nicht mehr so langweilig. Ein Fach, das ich sehr gerne mag ist Home-Economics, das ist so etwas ähnliches wie Hauswirtschaft und es geht hauptsächlich um Essen und manchmal kochen wir auch.

Was die Schuluniform angeht: Zuerst war es sehr ungewohnt und die Schuluniform ist auch nicht gerade hübsch, weil der Rock so lang ist. Aber man gewöhnt sich dran und man braucht morgens auch nicht mehr so lang. Ob ich Schuluniformen gut finde oder nicht, darüber könnte ich jetzt Seiten schreiben, deshalb lass ich es lieber ganz ;)

Ich liebe es in Dublin zu leben, weil es einfach eine wunderschöne Stadt ist. Es gibt viele alte Gebäude und Sehenswürdigkeiten, aber gleichzeitig ist es auch total modern und man kann hier super Shoppen gehen. Außerdem ist es total schön am Meer zu wohnen, es ist zwar zu kalt um Schwimmen zu gehen, aber man kann Joggen gehen oder sich einfach ans Meer setzen und sich den Wind durch die Haare wehen lassen.

Langsam lerne ich immer mehr Leute kennen, viele Iren, aber auch viele Austauschschüler aus allen Teilen der Welt. Man ist sozusagen ein Völkerverständiger, einmal habe ich versucht einer Irin zu erklären, dass man in Deutschland nicht nach jeder Mahlzeit rülpst… Wo auch immer sie dieses Gerücht aufgeschnappt hat.

Heimweh hatte ich bisher noch nicht. Es gab Tage an denen ich mich hier nicht wohlgefühlt habe, aber ich wollte nie nach hause. Ich habe mehr versucht, es als eine Erfahrung zu sehen, wenn es mir schlecht ging. Allerdings lernt man hier die alltäglichen Dinge, die man in Deutschland hat, vielmehr zu schätzen. Zum Beispiel, dass ich in Deutschland manchmal von meiner Mutter abgeholt werde, wenn ich länger weg bin. Hier muss ich immer auf den Bus warten, was manchmal länger dauern kann.

Außerdem vermisse ich es Handball zu spielen. Hier bin ich jetzt im Basketballteam der Schule und bald fängt die Saison an, da freue ich mich schon riesig drauf.

Es passiert einfach so viel und ich entwickle mich komplett neu, ich probiere Sachen aus, die ich in Deutschland nie gemacht hätte und dass ist wirklich eine gute Sache. Von daher bereue ich es bisher kein bisschen mich für einen Auslandsaufenthalt in Irland entschieden zu haben.

Am 23. August bin ich zusammen mit meiner Familie zum Flughafen gefahren, am Schalter habe ich mich dann mit einem Freund getroffen, den ich bereits vom Vorbereitungsseminar kannte. Zusammen haben wir dann unser Gepäck abgegeben, was zum Glück nicht zu schwer war, sodass ich zum Glück nichts auspacken musste… Am Check-in habe ich mich von meiner Familie verabschiedet, im Prinzip war es ziemlich kurz, weil es für mich einfach nicht realisierbar war, dass ich sie erst in 7 Monaten wiedersehe, also war ich auch kein bisschen traurig oder hab geweint, wie man es so oft hört.

Im Gegenteil, als ich mich umdrehte, verspürte ich viel mehr ein aufregendes Kribbeln im Bauch: Endlich ging es los, mein Abenteuer! Zusammen sind wir dann durch den Sicherheitscheck. Am Gate haben wir dann noch einen dritten getroffen, den ich vom Vorbereitungsseminar kannte, wir haben über alles Mögliche geredet, sodass die Zeit bis wir ins Flugzeug gelassen wurden, rasend schnell verging. Circa 2 h später, landeten wir am Airport Dublin, dort haben wir schon weitere Austauschschüler kennengelernt. Nachdem ich mein Gepäck gefunden hatte, machte ich mich auf die Suche, nach einem Schild, dass meinen Namen trug, denn ich wusste nur, dass ich von einer „Betreuerin“ von der Organisation hier in Dublin abgeholt werde, jedoch nicht wie sie aussieht. Nach dem Lesen unzähliger Namen, konnte ich dann schließlich auch meinen Namen ausmachen. Zusammen mit 3 anderen Austauschschülern und der Betreuerin haben wir auf ein Taxi gewartet, dass allerdings erst mal auf sich warten ließ… Als es dann endlich kam, ist mir direkt der erste Unterschied zu einem deutschen Taxi aufgefallen, der Fahrer saß rechts und das Taxi fuhr links. Das Auto war relativ groß, hinten standen sich jeweils 3 Sitze gegenüber, sodass wir genug Platz hatten. Nachdem wir die Erste Schülerin abgesetzt hatten, wurde ich etwas nervös, weil ich wusste, dass der nächste Halt an meinem neuen zu Hause sein würde. Als das Taxi dann hielt, wir geklingelt hatten, öffnete sich die Tür und dahinter stand eine Frau mit einem warmen Lächeln. Sie begrüßte mich herzlich und rief meine Gastschwester dazu, die draußen mit Freunden spielte. Sie hat mir dann mein Zimmer gezeigt, was eigentlich ganz schön war. Wir waren dann einkaufen, meine Gastmutter hat mir die Bahnstation gezeigt und wir waren bei meinen Gastgroßeltern, die total lieb sind. Als wir gingen, schaute meine Gastmutter mich an und  fragte: „Wie war dein Name noch mal, Bello?“ Meine Gastoma ist echt total niedlich. Der erste Tag war richtig aufregend, weil es soviel Neues auf einmal gab, dass ich kaum Zeit hatte, darüber nachzudenken.

Am nächsten Tag haben wir uns von der Organisation aus an der Spire getroffen, das ist eine 120 m hohe Metallspitze im Zentrum Dublins und eine zentraler Treffpunkt. Ich finde die Spire ziemlich praktisch, weil man durch sie einen guten Überblick über das Stadtzentrum hat. Von ihr geht nämlich die große Einkaufspassage ab und wenn man sich mal verläuft, muss man einfach über den Dächern der Stadt nach einer silbernen Spitze suchen und man weiß ungefähr wo man ist. Ich spreche da aus Erfahrung. Aber wenn man sich mal verläuft, ist das gar kein Problem, weil die Dubliner so unglaublich nett sind und einem gerne helfen. Ich habe noch keinen Iren getroffen, der nicht versucht hat mir zu helfen, oft fangen sie dann noch ein Pläuschen an, erzählen zum Beispiel von ihren Kindern und welche Hobbys sie haben und erkundigen sich, wo man denn herkomme. Im Allgemeinen sind die Iren einfach besonders, ich habe mir in letzter Zeit oft eine Bahnfahrkarte gekauft und irgendwann schaute mich der Verkäufer an und fragte, ob ich meinen Aufenthalt hier genieße. Ich glaube, ich habe das vor einer Woche erwähnt und er hat es immer noch gewusst, das hat mich echt beeindruckt. Aber zurück zu dem Tag, als wir uns an der Spire getroffen haben: Kurz gesagt, der Tag war einfach nur genial! Man hat Leute wieder getroffen, die man schon kannte und auf die ich mich echt riesig gefreut habe, aber man hat auch so unglaublich viele neue Leute kennengelernt: andere Deutsche, Spanier, Franzosen und Mexikaner. Es ist einfach eine Tatsache: So viele Menschen wie ich jetzt in diesen 7 Monaten kennenlerne, werde ich sobald nicht wieder kennenlernen und darauf freue ich mich riesig.

In meiner ersten Woche hier (ich hatte noch Ferien) habe ich mich größtenteils mit Freunden verabredet, die ich hier kennengelernt habe. Wir waren am Strand, wir waren in Cafes und wir waren Shoppen. Einer meiner ersten Einkäufe hier, war ein Regenschirm. Ich finde es unglaublich, dass ich meine Koffer gepackt habe, um 7 Monate in Irland zu leben und meinen Regenschirm vergessen habe.

Worüber ich euch auch noch erzählen muss, ist der Verkehr hier. Erstmal fahren alle Fahrzeug auf der linken Seite, da kann es schon mal passieren, dass man beim Warten auf den Bus in die falsche Richtung guckt oder sogar auf der falschen Seite steht. Daran gewöhnt man sich aber relativ schnell. Ich werde aber wohl noch Zeit brauchen, bis ich mich an das Busfahren hier gewöhnt habe. Denn die Busse hier haben ihr eigenen Regeln. Erstmal ist es schwer die Haltestellen zu finden, denn diese sind einfach durch einen gelben Pfahl mit einer Nummer gekennzeichnet, an dem man auch gerne mal vorbeiläuft. An diesem Pfahl findet man dann nur sehr selten einen Plan, der einem verrät welcher Bus hier wann hält; muss man sich also vorher informieren. Oft kann es dann sein, dass man scheinbar unendlich lange wartet und wenn der Bus dann kommt, wartet bloß nicht darauf, dass er einfach hält! Man muss sich an den Rand stellen und irgendein Erkennungszeichen geben, manchmal reicht es die Hand zu heben, manchmal muss man aber auch winken, wie ein Gestrandeter auf einer einsamen Insel. Wenn man in den Bus einsteigt, sollte man möglichst immer Kleingeld parat haben, denn auf Wechselgeld wartet man vergeblich. Das Busfahren selber ist aber ziemlich cool, weil es Doppeldecker sind und der beste Platz ist eindeutig ganz vorne, wo man den besten Ausblick hat. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland: Hier gibt es gelbe Ampelmännchen, die hier aber eigentlich völlig überflüssig sind, da sowieso alle Iren über Rot gehen, wenn mal jemand an einer roten Ampel stehen bleibt, ist es eigentlich immer ein deutscher Tourist, der dann verwirrt den ganzen Iren hinterherstarrt. Oft muss dann mal ein Bus eine kleine Biegung machen um niemanden zu überfahren.

Wenn ich meinen Koffer jetzt noch einmal packen könnte, hätte ich meinen Sommerhut dagelassen, (als ich geflogen bin, war es in Deutschland so warm, dass ich dachte, ich würde ihn hier vielleicht brauchen) und stattdessen hätte ich mehr Creme und Shampoo eingepackt, weil das hier einfach total teuer ist. Die gleichen Sachen, die ich in Deutschland habe, kosten hier meist mehr als das Doppelte. Ich freue mich schon auf mein Geburtstagspäckchen, dass dann vielerlei solche Sachen beinhalten wird. Aber bis zu meinem Geburtstag dauert es noch ein paar Monate. Ich kann gar nicht glauben, dass ich so lange hier bleibe, denn momentan fühlt es sich einfach an wie Urlaub. Das wird sich dann wahrscheinlich ändern, wenn die Schule anfängt…