Archiv für Januar 2015

Erfahrungsbericht Irland-High School Aufenthalt, Hanna Annecke, August bis Dezember 2014

 

Auf die Idee einen High School Aufenthalt zu machen bin ich durch eine Freundin gekommen, denn diese verbrachte ein Jahr in den USA. Mich faszinierte es, was sie von ihren neuen Erfahrungen und dem Leben in einer völlig neuen Kultur erzählte und deshalb stand dann für mich fest: Das möchte ich auch unbedingt machen!

Ich habe mich für einen Aufenthalt in Irland entschieden, nicht nur weil es ein englischsprachiges Land in Europa ist, sondern auch wegen der wunderschönen Natur und des Schulsystems.

Nach über 1-jähriger Überzeugungsarbeit bei meinen Eltern, durfte ich mich endlich bei einer Organisation bewerben. Jedoch ist es gar nicht so einfach eine gute Organisation zu finden. In Deutschland gibt es sehr viele davon und alle versprechen einen „perfekten Aufenthalt“. Diesen kann es meiner Meinung nach aber einfach nicht gebe, da man kein Pauschalangebot mit Spaß-Garantie bucht, sondern alleine als junger Mensch in ein völlig neues Land zieht. Meine Eltern und ich haben uns am Ende für die Organisation Kolumbus Sprachreisen entschieden. Wir sind sehr froh, dass wir unser Vertrauen Herrn Flink und seinem Team geschenkt haben. Es hat uns immer sehr gut beraten und alle 1000 Fragen beantwortet, die einem vor Beginn des Programms im Kopf herumschwirrten. Sie standen auch immer während meiner Zeit im Ausland meinen Eltern zur Verfügung, wenn diese einmal Fragen hatten oder etwas nicht so gelaufen ist, wie man sich das vorgestellt hatte.

Am 21. August ging das große Abenteuer dann endlich los. Ich hatte so lange diesem Tag entgegengefiebert und dann war es so weit. Zum Glück musste ich nicht alleine von Frankfurt nach Dublin fliegen, sondern bin mit zwei netten Mädchen geflogen, die ich auf dem Vorbereitungsseminar in Köln kennengelernt hatte. Nach einem schweren und tränenreichen Abschied waren wir auch schon im Flugzeug in Richtung Irland unterwegs. Wir drei waren extrem aufgeregt und nervös was uns die nächsten 4 Monate wohl bringen würden, sodass der zweistündige Flug sehr schnell verging.

Nachdem wir unsere Koffer abgeholt hatten konnten wir das erste Mal unsere Gastfamilien in den Arm schließen. Mein Gastbruder und meine Gastschwester haben mich herzlich mit einem kleinen Namensplakat empfangen. Auf dem Weg in mein neues Zuhause fiel mir auf, dass ja alle Autos auf „der falschen Seite“ fahren und dass alle Schilder in Englisch und Irisch geschrieben sind. Ich wurde sehr herzlich von der ganzen Familie empfangen und sie haben mich sehr schnell in ihr Leben integriert worüber ich Ihnen sehr dankbar bin.

 

Knapp eine Woche später war dann auch schon mein erster Schultag. Das bedeutete, dass ich meine neu gekaufte Schuluniform das erste Mal anziehen konnte und ich das erste Mal meine neue Schule für die Dauer des Aufenthalts sah. Am Anfang ist es sehr komisch in Uniform zur Schule zu gehen, doch man gewöhnt sich sehr schnell daran. Persönlich finde ich, dass die Schuluniform geschickt ist, denn man weiß was man anziehen muss und braucht sich über die Kleidung keine Gedanken mehr zu machen. Da ich das Transition Year in Irland besuchte, haben wir gleich in der ersten Woche einen 2-Tagestrip in einen Freizeitpark im Norden Irlands gemacht. Der Sinn des Transition Years ist es, den Klassenzusammenhalt zu stärken und auf das Berufsleben vorzubereiten. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass man oft solche gemeinsamen Unternehmungen machte.

 

Mir ist es sehr leicht gefallen mich in meine neue Familie zu integrieren. Meine Gasteltern haben ihr Bestes gegeben damit ich mich wohlfühle. Jedoch hat es in der Schule ein wenig gedauert, bis ich mich integriert gefühlt habe und auch dort richtig angekommen bin. Da es an meiner Schule kaum außerschulische Aktivitäten gab, ist man nicht mit so vielen Leuten in Kontakt gekommen wie gewünscht. Jedoch haben sich nach den ersten paar Wochen Freundschaften gebildet, über die ich sehr froh war. An meiner Schule waren Austauschschüler nichts Besonderes, da dort jedes Jahr ungefähr 10 Schüler ihren Aufenthalt verbringen. Ich hatte deshalb das Gefühl, dass die Einheimischen das Interesse an Schülern aus der ganzen Welt etwas verloren hatten.

 

Nach ungefähr sechs Wochen war ich dann voll in die Schule integriert und hatte mir einen festen Freundeskreis aufgebaut. Mit meinen irischen Freunden ging ich einmal in der Woche in den Student Council, was so etwas wie die SMV in Deutschland ist und half zusätzlich in der Bücherei der Schule. Ich genoss richtig das Leben als Austauschschülerin.

 

Kurz darauf war auch schon Mid-Term Break. Das sind einwöchige Ferien nach ungefähr 8 Wochen Schule. Ich glaube diese Woche war die Beste des ganzen Austausches, da eine andere Austauschschülerin und ich Ausflüge durch Irland machten und sehr viel von der „grünen Insel“ sahen. Dublin ist ganz schön und toll zum Shoppen, aber nach einer gewissen Zeit wollten wir beide einmal das „richtige Irland“ mit seiner wunderschönen Natur und den ganzen Seen und Bergen besichtigen. Die Touren führten uns zu den Cliffs of Moher, nach Kilkenny und nach Belfast. Die Klippen waren besonders beeindruckend, da das Meer dort eine sehr schöne Färbung hat und man beeindruckende Fotos machen kann. In dieser Woche war auch Halloween, das ich mit Freunden aus meiner Klasse verbrachte. Diese Woche ging eindeutig viel zu schnell vorbei!

Sofort nach den Ferien stand für die Transition Year Schüler ein Sozialpraktikum an. Ich arbeitete während dieser Woche in einem Charity Shop in Swords, wo ich auch lebte und zur Schule ging. Dort half ich den Mitarbeitern den Laden aufzuräumen, die neu eingetroffenen Dinge zu sortieren und Preisschilder anzubringen. Mir machte die tägliche Arbeit meistens Spaß, jedoch war ich auch froh, als diese Woche vorbei war, da ich meine Freunde vermisste und mich freute sie wieder zu sehen.

Die letzten Wochen in Irland sind eindeutig viel zu schnell verflogen. Man hat sich ein komplett neues Leben in einem anderen Land mit einer anderen Familie und einem neuen Alltag aufgebaut. Da ich während meiner Zeit in Irland die Pfadfinder zweimal wöchentlich besuchte, fiel mir der Abschied von diesen neuen Freunden besonders schwer. Am 20. Dezember, oder genauer gesagt nach 122 erlebnisreichen, interessanten und spannenden Tagen, hieß es auch schon wieder Tschüss Irland. Vor allem die letzte Schulwoche war sehr traurig, da man sich jeden Tag von mehr und mehr Leuten verabschieden musste, die einem während der letzten 4 Monate sehr ans Herz gewachsen waren. Man wusste, dass man nie wieder so stark in eine andere Kultur und Lebensweise integriert werden würde wie als Austauschschüler.

 

Ich habe ein Zitat gefunden, welches am besten die Erlebnisse und Eindrücke eines Auslandaufenthaltes beschreibt und widerspiegelt:

 

“Isn’t it crazy how we can look back half a year ago and realize how much everything has changed? The amount of people that have left your life, entered, and stayed. The memories you won’t forget and the moments you wish you did. Everything. It is crazy how all that happened in just half a year.”

 

Ich möchte noch einmal recht herzlich meinen Eltern danken, die mir das ganze Programm ermöglicht haben und mich immer unterstützt haben, auch wenn es Probleme gab. Ein weiteres Dankeschön geht an das Team von Kolumbus Sprachreisen. Sie haben uns Austauschschüler gut auf unser „Experiment“ vorbereitet, sehr gut betreut und sich während der Zeit in Irland gut um unsere zurückgebliebenen Eltern gekümmert, wenn diese ein Anliegen hatten. Ich persönlich kann jedem Jugendlichen solch einen Aufenthalt empfehlen wenn dieser die Möglichkeit dazu hat. Während der Zeit im Ausland erlebt man so viele Dinge, die das gesamte Leben prägen. Man wird dadurch viel selbstständiger, wächst innerlich und erlebt einfach eine wunderschöne Zeit weit weg von Zuhause.

 

 

Hanna Annecke, Irland