Archiv für März 2014

Als ich im Flugzeug auf dem Weg nach England saß, dachte ich mir nur: „Wieso mache ich das überhaupt? Ich muss verrückt sein!“ Doch als das Flugzeug dann startete und in die Luft flog, war ich mir ganz sicher aus welchen Gründen ich ein High School Aufenthalt in England machen wollte. Hauptgründe waren, dass ich viele neue Leute kennenlernen wollte, selbstständiger werden wollte und natürlich um mein Englisch zu verbessern.

In Exmouth angekommen wurde ich dann herzlich von meiner Gastfamilie begrüßt. Zu meiner Gastfamilie gehörte Gastmutter Louise, Gastvater Brian, Gastschwester Mia, Gastbruder Ollie, Gasthündin Maggie und Gastkater Buddy.

Schon am ersten Tag gingen wir an den wunderschönen Strand von Exmouth, wo wir auch im Meer schwimmen gingen.

In den nächsten paar Tagen zeigte meine Gastfamilie mir Exmouth und stellte mir viele weitere Familienmitgliedern und Familienfreunden vor.

Als die Schule dann begann war ich sehr aufgeregt, da die Schule, das Exmouth Community College, riesengroß war. Auf der Schule sind ca. 2500 Schüler, 2500 Gesichter, die ich noch nie gesehen habe und in den nächsten Monaten immer wieder sehen würde. Die ersten drei Tage verbrachten wir hauptsächlich im Study Centre mit den anderen ‘Neulingen’, wo uns zwei Lehrer und ein freiwilliger Schüler die Schule zeigten. Als die Schule dann wirklich begann, wurde ich von meinen Mitschülern und Lehrern mit Fragen überschüttet. Die meisten bewunderten mich dafür, dass ich mich traue so lange in ein fremdes Land zu gehen, ohne jemanden davor zu kennen. Was das neue Leute kennenlernen erleichterte war, dass man in jedem Schulfach in einer anderen Gruppe, also auch mit anderen Leuten, zusammen war.

Nach einem Monat bekam ich schreckliches Heimweh. Nachdem ich mit meiner Gastfamilie darüber redete, ging es mir auch schon viel besser, da sie mir erklärte, dass das völlig normal sei und es nach spätestens einer Woche wieder weggehen würde, was letztendlich auch stimmte.

Danach ging alles wie geschmiert. Ich hatte mich in den Alltag gut eingewöhnt und gute Freunde gefunden, mit denen ich in den Schulpausen und am Wochenende immer abhängen konnte.

Mein Englisch hat sich schon in dieser kurzen Zeit verbessert, was auch die Leute in meinem Umfeld bemerkten. Sie meinten alle, ich rede viel flüssiger und schneller und fing auch schon an ‘Slang’ zu benutzen.

Die Schule war sehr einfach, da meine Freunde mir alle Wörter, die ich nicht verstand, erklärten und die Lehrer auch auf mich Rücksicht nahmen, da mein Englisch ja nicht so gut wie das der anderen war. Vor allem die Fächer Mathematik und Science (Chemie, Physik, Biologie) fielen mir sehr leicht, da wir den ganzen Stoff bereits in Deutschland hatten. Was ich sehr schön fand ist, dass es auch Fächer wie zum Beispiel Drama und Media Studies gab.

An den Wochenenden fuhr ich mit meinen Freunden meistens nach Exeter, wo wir shoppen oder schick essen gingen. Mit meiner Gastfamilie besuchte ich historische Orte, wie die Stonehenge und das A La Ronde und ging oft mit Maggie am Strand spazieren.

Highlights mit meiner Gastfamilie waren der Besuch des Freizeitparks ‘Crealy’, die ‘Breaking Bad Nacht’, das Anschauen des Musicals ‘Annie’ und der viertägige Aufenthalt im Centre Parcs Longleat.

Highlights mit meinen Freunden waren die Übernachtung nach dem Karneval, das Paintballing und die Besuche des ‘Fairs’ und der ‘Bonfire Night’.

Als der 22. Dezember immer näher rückte waren meine Gefühle sehr gemischt. Einerseits freute ich mich auf mein Zuhause, andererseits wollte ich die Leute dort nicht verlassen.

Am Freitag vor meiner Abreise war noch die Geburtstagsfeier von einer Freundin namens Beth. Dort musste ich mich schon von vielen Leuten verabschieden, was mir gar nicht leicht fiel. Kurz vor Weihnachten bekam ich noch viele Weihnachtskarten und Geschenke von Freunden und meiner Gastfamilie.

Am Abreisetag wurden viele Tränen vergossen und ich war sehr traurig, dass ich schon gehen musste. Obwohl es nur knapp vier Monate waren, die ich dort verbracht habe, habe ich meine Gastfamilie und dort gewonnen Freunde sehr ins Herz geschlossen.

Heute habe ich immer noch Kontakt mit den meisten Freunden, entweder schreiben wir uns über Snapchat oder wir schreiben Briefe und schicken sie uns.

Heute kann ich stolz sagen, dass ich viele Freunde in England habe, mein Englisch sich um einiges verbessert hat, mein Selbstbewusstsein gestiegen ist und ich sogar vier Monate in England gelebt habe. Um ehrlich zu sein, war meine Zeit in England, dank meiner Gastfamilie und meinen Freunden, bisher die beste Zeit meines Lebens!

Der Höhepunkt des Februars waren wohl die Ferien am Ende des Monats. Dienstagnacht kamen die Eltern und eine der Schwestern meines Gastvaters aus Kanada eingeflogen, um seinen Geburtstag zu feiern.

Die Geburtstagsfeier an sich fiel recht klein aus mit Kuchen und einem Restaurantbesuch im engen Familienkreis.

Interessant wurde es dann am Mittwoch, als wir uns auf den Weg zum „Oliver House“ in Wales machten. Meine Gastschwester Freya, Freundin Isabella und ich waren ein unzertrennbares Dreierteam. Direkt nach der Ankunft machten wir uns auf den Weg um die Gegend zu erkunden. Zuerst gingen wir zum Strand. Dafür musste man nur über die Straße, einen kleinen Weg entlang, über die Eisenbahnstrecke und schon war man dort. Danach ging es in die andere Richtung in den Wald und auf die Hügel. Egal wohin man in Wales will – Ein Weidengatter einer Schafswiese muss man immer öffnen :D Auch hier waren die Landschaft und der Ausblick einfach überwältigend.

Am Abend saßen alle (Meine Gastfamilie, die kanadische Verwandtschaft, Isabella, Emily & Familie) gemütlich bei Tee und Punsch beieinander im Wohnzimmer und sahen uns die olympischen Winterspiele an. Die Kanadier nehmen die Spiele seeeehr ernst. Und beim Curling-Finale England gegen Kanada bildeten sich zwei Fronten: Die englische auf der einen Seite und die kanadische auf der anderen. Und ich alleine in der Mitte :P

Am nächsten Tag gingen wir gemeinsam nach Barmouth, wo wir am Strand Fish & Chips zum Mittagessen hatten. Danach traf ziemlich spontan der Rest von Bellas Familie ein.

Den Rest des Tages verbrachten wir am Strand.

Am nächsten Tag machten wir uns alle gemeinsam zu einer langen Wanderung zum „Blue Lake“ auf. Die Landschaft erinnerte mich, abgesehen von den ganzen Schafen, sehr an die Alpen über der Baumgrenze.

Den Urlaub rundeten wir mit einem Lagerfeuer, Stockbrot und Marshmallows am Strand ab, bevor es am Sonntag zurück nach Handsworth Wood ging.

Am Montag hatten wir noch frei, dann gingen die Examen los. Das lief folgendermaßen ab: Jeder Schüler hatte schon im Voraus einen Examen-Stundenplan bekommen, auf dem alle Examen, wo sie stattfinden und welchen Platz man hat sowie die Kandidatennummer drauf stehen. Die Sitzpläne hingen jeden Morgen noch vor der Assembley-Hall aus. Die beiden Räume, in denen die Examen stattfanden, waren die besagte Halle und das Dance-Studio. In den Räumen standen eine Menge Einzeltische in Reih und Glied. An einer der Wände hingen Buchstaben und an der andern Zahlen, sodass jedem Tisch eine Koordinate zugeordnet war, z.B. 5;F. Bevor man den Raum betrat, musste man seine Stifte (schwarz) aus seinem Mäppchen herausnehmen und seine Tasche in einen separaten Raum legen. Auf dem Platz lag ein kleiner Zettel mit Name des Examen, Namen der Schülerin, Central-Nummer (20115) und Kandidatennummer. Dann wurden die Zettel verteilt und ein Prüfer ging mit uns durch die Regeln. An die Tafel wurde die Uhrzeit von dem Beginn und dem Ende des Examens geschrieben und dann durfte man loslegen. Die Woche war doch ziemlich stressig. Das Englisch-Examen zum Beispiel ging 135 Minuten und manche hatten sogar fünf Examen an einem Tag. Mein Maximum war ein Glück „nur“ vier.

Jetzt sind alle furchtbar aufgeregt wegen der Ergebnisse. Das Physik-Examen haben wir schon zurück. Ich bin mit einem B die zweitbeste in meinem „Set“, was mich schon ein wenig stolz macht.

Ich freue mich jetzt furchtbar auf den März, alleine weil es immer wärmer und weniger regnerisch wird. Außerdem hat meine Betreuerin einen Ausflug zu den Harry-Potter Sets organisiert, an dem Freya und ich teilnehmen.