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Januar 2014

In der letzten Woche meiner Weihnachtsferien startete ich meine große Reise nach England. Diese startete erstmal mit einem kleinen Missverständnis; Während unserer Fahrt nach Frankfurt wurde ich angerufen, wo ich denn bliebe, meine Gastfamilie habe um 8!! Uhr am Flughafen auf mich gewartet. Das war dann aber schnell geklärt.

Der Abschied von meinen Eltern fiel mir dann doch recht schwer, aber auf der anderen Seite war ich furchtbar aufgeregt und gespannt auf die kommenden Monate. Trotzdem zitterten mir die Beine, als ich ins Flugzeug stieg, nicht zuletzt, weil ich eine schreckliche Flugangst habe. Der Flug verlief verhältnismäßig gesehen aber unerwartet gut ohne Panikattacken. Am Flughafen in Birmingham, der zweitgrößten Stadt in Großbritannien, wurde ich von meinen Gasteltern sehr herzlich in Empfang genommen. Ich wunderte mich erst wo meine Gastgeschwister (Freya, 13; Josie, 5 und Elyas, 2) waren, aber Autotür auf, Rückbank voller Gastgeschwister, Problem geklärt ;) .

Der Sonntag verging viel zu schnell und schon stand mein erster Schultag in der Handsworth Wood Girls´ Academy an. Ein wenig enttäuscht war ich schon, als ich nicht gleich in den Unterricht konnte, denn ich musste erst noch ein paar Tests machen, damit die Lehrer mich und mein Können „einordnen“ konnten. Ich ermahnte mich selbst in Geduld zu üben, was gar nicht so einfach war, denn diese Woche war mit Sicherheit die längste Woche meines Lebens!

Am nächsten Montag bekam ich meinen Stundenplan. Ich habe jeden Tag (außer mittwochs) fünf Stunden, die allerdings wirklich 60 Minuten und nicht nur 45 Minuten dauern. Das finde ich ziemlich gut, denn dadurch wird man nicht mit soviel Stoff “bombadiert” als wenn man fünf bis sechs verschiedene Fächer pro Tag hat. Die Schule beginnt jeden Tag um 8.40 Uhr mit 20 Minuten „Registration“. Da trifft man sich mit seiner Klasse und es wird einfach geguckt ob alle da sind usw.. Es gibt allgemein nur zwei Pausen; Nach den ersten zwei Stunden (15 min) und nach der dritten Stunde den „Lunchbreak“, welcher 1 Stunde dauert. Auf meinem Stundenplan stehen so tolle Fächer wie etwa Business Studies, Drama und Graphic Design.

Was ich über englische Schule sagen kann: In den Stunden ist es viel lockerer als in Deutschland – außerhalb ist es viel strenger als bei uns. Der Schule ist ihre Repräsentation nach außen seeehr wichtig. Ein Beispiel: Bei Feueralarm muss man schweigend auf den Hof gehen, sich in einer Reihe in der Reihenfolge der Klassenliste aufstellen und darf kein Wort sagen bis die Lehrer sagen, dass man wieder reingehen darf. Das kann schon mal 20 Minuten dauern. Das ist natürlich sehr angenehm im Januar mit Shorts und T-Shirts (und wer sich jetzt fragt warum ich im Januar Shorts und T-Shirts anhat – ich hatte Sport)… .

Die Reaktionen, darauf, dass ich Deutsche bin sind SEHR unterschiedlich. Meistens stoße ich auf Interesse, aber auch wenn die Engländer vielleicht am Anfang sehr herzlich sind, nimmt das schnell ab, was aber nicht heißt, dass sie das Interesse verloren haben. Man muss einfach von sich aus wirklich auf sie zugehen. Dazu musste ich mich am Anfang sehr überwinden, aber wenn man hartnäckig dabei bleibt, wird man belohnt ;) . Oft zeigen die Engländer (Schüler wie Lehrer) ihre – wenn auch spärlichen – Deutschkenntnisse. Der Standardsatz ist dabei: „Guten Tag“. Manchmal auch „Meine Name ist Claudia!“ oder „Wie gehts?“. Ein Lehrer hat mir sogar begeistert seinen Deutsch-Wortschatz gezeigt: „Schnell, schnell!“ „Raus!“ „Jawohl mein General!“. Wenn das mal nicht das Klischee der Deutschen bestärkt… :D . Ich bin aber auch schon auf Reaktionen gestoßen, die mich erstaunt wenn nicht sogar erschreckt haben. Jemand hat mich gefragt ob wir in unseren Klassenzimmern Bilder von Adolf Hitler hängen haben. Ich habe es erst für einen ziemlich makaberen Scherz gehalten, aber es war offensichtlich ernst gemeint. Was auch einmal vorkam war: „Die Deutschen waren im zweiten Weltkrieg und haben verloren. YES!“ Aber damit muss man wohl leben.

Auch ist mir aufgefallen, dass die Engländer das deutsche Schulsystem gar nicht zu kennen scheinen. Die bekommen schon große Augen, wenn ich sage, dass wir keine Schuluniform tragen müssen. Und sie finden meine Schule total hübsch und sagen sie sähe aus wie in einem Film. Ganz ehrlich, mein Gedanke war eher “Was? Der Betonklotz? Wenn ihr meint… . Aber schaut euch doch mal eure Schule an!”

Die Lehrer schauen auch immer wieder nach mir. Ich bin erleichtert, dass sie mich nicht einfach in den Schulalltag reinsetzten und sagen: “so mach mal!”, sondern sich wirklich um mich kümmern.

Was mich sehr gefreut hat ist, wie herzlich ich von der Familie (der GESAMTEN Familie) und deren Bekannten aufgenommen wurde. Da war kein erstmal kennen lernen angesagt, sondern ich habe sofort und wie selbstverständlich dazugehört. Besonders mit meiner ältesten Gastschwester Freya verstehe ich mich gut. Unsere gemeinsamen Backaktionen, das bis tief in die Nacht Fernseh gucken, reden oder Wochenendausflüge in die Stadt gefallen mir seeeeehr gut, auch weil ich ja so noch nie eine Schwester hatte. Ich habe dafür drei Brüder in Deutschland. Das ist also schon etwas anderes. Als nächstes steht ein Kinobesuch auf dem Plan :) .

Handsworth Wood ist ein typischer englischer Vorort. Nicht ländlich, aber auch nicht zu städtisch. Und das Beste: Der Park – drei Minuten Fußmarsch und man ist da!

Das Essen ist gar nicht so übel wie ich es erwartet hatte. Ich habe mich mal mit meinem Gastvater darüber unterhalten. Er ist Kanadier, das heißt wir dürfen uns über englisches Essen auslassen, bei uns gibt es ja besseres :D :D . Er hat mir erklärt, dass es nur daran liegt, dass meine Gastmutter wirklich kochen kann und das englisches Essen an und für sich wirklich schlimm ist :D .

In meinem ersten Monat wurde ich mit so vielen neuen Eindrücken konfrontiert, dass ich schon dachte ich würde mich nie eingewöhnen, aber es hat einfach seine Zeit gebraucht und obwohl England ja noch Europa ist, sind die Unterschiede doch recht groß. Aber “anders” heißt ja nicht immer schlecht und wenn ich wollte, dass es wie bei mir zu Hause ist, hätte ich ja gleich daheim bleiben können! :D

 

Viele Grüße aus England

Eure Christina

Mein kanadisches Weihnachten:

Um ehrlich zu sein, hatte ich vor Weihnachten nen ziemlichen Schiss, weil es ja um Familie und alles geht und ich dachte, ich würde Heimweh bekommen. War am Ende zum Glück aber nicht so :D Morgens mit Family geskyped und Geschenke ausgepackt, mittags haben wir nen Winterspaziergang gemacht und abends sind wir zum Christmas Eve (24.) Dinner zu Melissas Eltern gegangen. Was ich ein bisschen komisch fand war, dass man sich richtig hübsch anziehen MUSSTE! Jeans waren nicht erlaubt. Naja egal, der Abend war echt schön und es gab, wie die gesamte letzte Woche lang schon, Turkey. Am eigentlichen Weihnachtstag wurde ich um 7 Uhr geweckt um die Geschenke aufzumachen. Das waren so viele! Das ganze Wohnzimmer war voll mit Geschenkpapier am Ende :D Denn hier bringen alle Freunde der Familie und Nachbarn Geschenke für die Kinder (also natürlich nur wenn du klein bist). Ich hab ganz viele Kleinigkeiten wie Badezeugs, Stifte, ne Tasse und so bekommen und ein Kissen zum selbermachen. Von ihren Eltern hab ich so ein Buch mit verrückten Fakten über Kanada bekommen und 2 Rubbellose, aber nix gewonnen :c :D Und von Mels Schwester hab ich ne selbstgemachte Tasche aus ihrem Geschäft bekommen! Ich glaub meine Geschenke kamen auch gut an. Bin danach auch wieder schlafen gegangen, denn ich war echt müde.

 

Mein kanadisches Silvester:

Mein Silvester war lebensgefährlich und gleichzeitig unspektakulär – wie das geht liest ihr hier:
Um 2 Uhr fuhr ich zu Viktorias Haus, weil ihre Familie mich eingeladen hat mit denen Silvester zu verbringen. Dazu sind wir zu Freunden gefahren, die außerhalb von Nelson auf nem ziemlich hohen Berg leben. Hochgefahren wurden wir mit einem Schneemobil was super viel Spaß gemacht hat. Die Hütte war einfach nur cool! So groß wie ein Haus, funktioniert mit Solarenergie und alles selbstgemacht aus Eichenholz :o Ungefähr 40 Leute waren da, unter anderem auch Verwandte der Familie. Alle waren echt nett zu uns, es war aber trotzdem was komisch für mich, denn Viktoria kannte ziemlich viele (sind ja schließlich Freunde der Familie) und ich kannte einfach mal keinen… Naja,ging schon :) Alle Kinder sind dann auch sofort Schlittenfahren gegangen, denn man konnte insgesamt etwa 15 Minuten lang am Stück Schlitten fahren (Wie schon gesagt, die wohnen echt weit oben auf dem Berg), wenn man es denn geschafft hat genügend Schwung zu haben und um die Kurven zu kommen. Wir habens nicht hingekriegt, denn entweder hatten wir gar keinen Schlitten oder wir hatten einen und der war echt schlecht :D Hatten trotzdem viel Spaß! Hoch wurden wir immer im Schneemobil gefahren, wo wir hinten in so ner Art Kajak saßen und ehrlich gesagt war das das Beste vom ganzen Tag.
Wieder zurück in der Hütte, aufwärmen, was essen und trinken.
Zwischendurch sind wir noch auf nen Abendspaziergang gegangen, aber ohne Taschenlampe, denn Vivis Gastvater wollte, dass sich unsere Augen an das (nichtvorhandene) Licht gewöhnen. Der Schnee war super tief und ich war vom Schlitten fahren eh durchnässt also war eigentlich alles nur noch egal. Wir sind zu dem Haus der Nachbarn (20 Minuten lang nen Berg hochlatschen) und ich war danach so fertig! Dort angekommen sind wir erstmal in ein altes zerfallenes Haus geklettert und dann ins eigentliche Haus gegangen. Der Sohn des Besitzers war zurzeit nicht da, dafür aber Lucas, ein Typ aus unserer Schule und es war einfach nur super lustig, denn wir haben uns ins Haus geschlichen… Naja nicht wirklich… Eigentlich sind wir ganz normal reingegangen und der hat uns nicht bemerkt. Wir waren im selben Raum und er hat uns immer noch nicht bemerkt. Und gerade als wir ihn erschrecken wollten kam der Besitzer zurück. Also sind wir schnell raus, ein bisschen Smalltalk und wir machten uns wieder auf. Irgendwann haben wir beschlossen, einfach nen nicht begehbaren (im Sinne von: der Schnee ist so tief, es ist fast unmöglich zu laufen und super anstrengend) Pfad lang zu gehen. Nach 5 Minuten war ich komplett außer Atem, aber wir sind noch etwa 15 Minuten weitergegangen bis wir in ne Sackgasse kamen. An diesem Punkt war ich schon vollkommen erschöpft, dabei mussten wir nochmal zurück. Und kurz bevor wir wieder den normalen Weg erreicht haben, kriegte ich nen schlimmen Asthmaanfall. Es war ziemlich schlimm, ich fühlte mich so als würde ich ersticken. Gleichzeitig war ich überrascht und hatte auch Angst, da wir mitten im Wald im Nirgendwo waren. Nach ner Weile gings aber wieder :) Um 9 Uhr sind wir nach Hause gefahren und ich und Viktoria haben uns in ihr Zimmer verzogen und gequatscht. Irgendwann kam Mr. Machado dazu und gemeinsam haben wir dann über unsere Mitschüler getratscht. Hahaha das war einfach so genial :D Anschließend war eigentlich nicht mehr so viel los.
„Oh, was, es ist Mitternacht? Happy new year!!!“ Eine Runde Umarmung und danach schlafen gehen. So lief mein eigentliches Silvester ab. Relativ unspektakulär, oder? Kein Feuerwerk, nix. Wir beide waren ein wenig enttäuscht und sind dann einfach in unseren Schlafanzügen auf der Bakerstreet rumgelaufen in der Hoffnung auf ein wenig Silvesterstimmung. Das Highlight war dann, dass wir ganze zwei Feuerwerksraketen gehört haben :D

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass beide Feiertage doch recht unterschiedlich sind im Vergleich zu Deutschland, aber nicht unbedingt in einer schlechten Weise. Ich fand es gut mitzuerleben wie andere Kulturen diese Feste feiern, auch wenn ich persönlich finde, dass es in Deutschland ein bisschen besser ist :D