Archiv für April 2013

Da war also mein letzter Monat angebrochen, irgendwie hat es mich ziemlich überrascht und es ist unglaublich, wie schnell die zweite Hälfte umgegangen ist. Im Nachhinein würde ich sagen, dass der März der beste Monat war. Nicht weil ich nach Hause gegangen bin, sondern weil ich mich mit meinen Freunden in Irland und auch meiner Gastfamilie so gut wie nie verstanden habe. Das liegt glaube ich einfach daran, dass es seine Zeit braucht, bis man solche Beziehungen aufbauen kann. Am Anfang hätte ich gedacht, dass es alles ganz schnell mit Freunden geht. Ich hatte immer Leute mit denen ich reden konnte und alles, aber bis ich Leute hatte, die ich wirklich Freunde nennen konnte, hat es seine Zeit gebraucht. Das war ein bisschen das Problem, denn wenn du eins auf deinem Auslandsaufenthalt nicht hast, ist das unendlich viel Zeit. Aber das wusste ich auch vorher und es wurde einem auch erzählt, dass wenn es mit Freunden richtig gut läuft, man schon fast wieder nach Hause muss. Letztendlich habe ich aber Freunde gefunden, die auch über die weite Distanz in Kontakt bleiben, von daher ist das fast schon wieder egal.

Am 17. März war St. Patrick’s Day. Das ist der Todestag des Schutzheiligen der Iren und das wird natürlich ganz groß gefeiert und Touristen aus aller Welt reisen an, um bei dem Spektakel dabei zu sein. Schon Monate vorher konnte man das Kommen des Feiertages in sämtlichen Geschäften, vor allem in den Touristen-Shops sehen. Nach und nach wurde Dublin immer grüner und überall tauchten Kleeblätter auf. Am Tag selber hatte ich mich mit meinen Freunden in der Stadt verabredet, um zusammen die Parade zu schauen und den Tag gemeinsam zu feiern. Das erste was ich sah, als ich in die Stadt kam, war .. nun ja.. grün! Alle Leute hatten sich grün angezogen und sich Koboldhüte aufgesetzt und sich die Flagge auf die Wangen gemalt. Die Stadt war unheimlich voll und ich versuchte mich irgendwie zur Spire, unserem Treffpunkt, durchzuquetschen. Dort angekommen war ich noch ein bisschen zu früh und da die Parade gerade anfing, wuselte ich mich also so nah es ging an die Absperrung heran. Anfangs konnte ich nicht viel sehen und ich steckte zwischen ein paar Portugiesen und einem Asiaten fest. Wenigstens wusste ich immer, wenn etwas passierte oder neue Attraktionen aufgeführt wurden, weil dann der Asiat komische Glucks-Laute von sich gab, was so ungefähr jede Minute passierte. Ich streckte meinen Arm mit der Kamera, so weit es ging in die Luft, um ein paar Fotos zu machen. Auf den Fotos sah ich dann mehr, als ich eigentlich gesehen hatte. Leider war auf fast jedem Bild ein Kobold-Hut abgebildet, den der Portugiese vor mir getragen hatte und mir die Sicht versperrte. Aber das ist nun mal St.Patrick’s Day. Die Parade war sehr gut und viele verschiedene Figuren wurden gezeigt. Es war vergleichbar mit den deutschen Karnevalszügen, auch wenn in Irland keine Süßigkeiten geworfen wurden. Nachdem die Parade vorbei war, fand ich endlich meine Freunde, die auch große Probleme gehabt hatten, sich bis zur Spire durchzuquetschen. Gemeinsam haben wir noch viele andere Leute aus aller Welt am St. Patrick’s Day kennengelernt.

Mein letzter Schultag war an einem Donnerstag. Der Tag war unglaublich traurig. Eine Freundin hatte Cupcakes für mich gemacht und eine andere einen Schal. Den ganzen Tag wichen wir einander nicht von der Seite. Alle Lehrer, die wussten, dass es mein letzter Schultag war, haben mir noch einmal die Hand geschüttelt und noch ein paar Worte gesagt. Selbst die Direktorin hat mich zum Abschied umarmt. Mich von meinen Freunden zu trennen, war jedoch am Schwierigsten. Schon in der letzten Stunde fing meine beste Freundin an zu weinen und konnte gar nicht mehr aufhören. Nach der letzten Stunde lagen wir uns also in den Armen und versicherten uns, dass wir uns bald besuchen würden.

Auch der Abschied von meiner Gastfamilie fiel mir nicht leicht, da mein Flug um 7 Uhr morgens ging und ich das Haus um 4:30 verlassen würde, sagte ich schon am vorigen Abend Tschüss zu meinem kleinen Gastbruder. Er ist erst 5 und er war so traurig und hat so geweint, dass es einem das Herz zerrissen hat. Meinen Gastvater sah ich dann am nächsten Morgen und gemeinsam mit meiner Gastmutter fuhr ich zum Flughafen. Dort lief alles ganz gut und mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen als ich sah, dass mein Koffer unter 20 kg wog, ich hatte nämlich viel zu viel gehabt und hatte schon unheimlich viel in Irland lassen müssen. Wenn ich zu viel gehabt hätte, hätte ich keine Ahnung gehabt, was ich hätte auspacken sollen. Der Abschied von meiner Gastmutter war auch traurig, aber es war noch so früh und es ging alles so schnell, dass es mir ganz unreal erschien. Sie hatte mir einen Brief geschrieben, den ich im Flugzeug lesen sollte. Das tat ich dann auch. Es war der schönste Brief, den ich je von jemandem bekommen hatte. Er war mit so viel Liebe geschrieben, schien aber gleichzeitig auch so traurig, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte.

In Deutschland angekommen, wurde ich von meiner Familie, ein paar Freunden und auch Teilen meines Handball-Teams erwartet. Ich war irgendwie noch gar nicht bereit, wieder zurück in mein altes Leben zu gehen. Aber ich hatte ja keine Wahl. Mittlerweile, das heißt 2 Wochen später, bin ich aber wieder ganz in Deutschland angekommen und habe mich an die ganzen Veränderungen gewöhnt. Ich habe zwar viele von meinen Freunden noch nicht gesehen, da sie im Urlaub sind und in der Schule war ich auch noch nicht, da ich momentan Ferien habe, aber das wird schon alles werden.

Rückblickend bin ich froh, dass ich diesen Auslandsaufenthalt gemacht habe, da er mir so viel geboten hat: viele Freunde, eine zweite Familie und ein Meer von Erfahrungen.

Jedem, der darüber nachdenkt ins Ausland zu gehen und sich noch nicht sicher ist, kann ich nur sagen: Macht es! Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich definitiv.