Archiv für Februar 2013

Hallo,  ich heiße Yannick und habe das letzte halbe Jahr über Kolumbus High School in Argentinien verbracht.

Das ganze Abenteuer begann im Herbst 2011, als ich mich an einem Samstagvormittag auf der Jugendbildungsmesse in München über jegliche Art von Sprachreisen und Auslandsaufenthalten informiert habe. Denn wenn mir etwas klar war, war es, dass ich ins Ausland wollte. Und es gab auch einige schwerwiegende Argumente, die dafür sprachen: Erlernen oder Perfektionieren einer Fremdsprache, Kennenlernen einer anderen Kultur und vieles mehr. Also ließ ich mich an diesem Samstag vielseitig beraten und entschied mich nach langem Wanken und Zögern dafür, ein Highschool-Halbjahr mit Kolumbus Sprachreisen in Argentinien zu verbringen.

Ihr mögt euch jetzt sicherlich fragen: „Wieso denn ausgerechnet Argentinien?“. Naja, dafür gab es für mich mehrere Gründe. Zum einen hatte ich damals ein paar Monate zuvor mit Spanisch in der Schule begonnen. Natürlich sofort begeistert von der Sprache und dem Temperament, das beim sprechen mitschwang. Zum anderen wollte ich einfach mal weit weg in ein Land, dessen Kultur komplett anders ist als die unsere. Und nach längerem Ausknobeln zwischen verschiedenen spanischsprachigen Ländern, entschied ich mich schließlich für Argentinien, da man dort angeblich ein äußerst schönes Spanisch sprach.

Als alles entschieden war, sämtliche Anträge gestellt und alle Freunde informiert waren, konnte ich nur noch hoffen, dass alles glatt lief. Und tatsächlich Anfang März ging es dann los Richtung Argentinien. Ich war wie man sich natürlich vorstellen kann super nervös. Ich hatte riesen großen Bammel vor dem Flug und vor allem vor dem Umsteigen in London. Aber Gott sei Dank überstand ich alles ohne Kratzer und psychische Schäden und kam am Tag darauf in Rosario bei meiner Gastfamilie an, die mich schon gespannt mit Begrüßungsküssen erwartete. Noch von den Küssen geschockt versuchte ich zunächst etwas Schlaf zu erlangen und mich nach meiner endlosen Reise auszuruhen.

Doch bereits am nächsten Morgen hieß es dann „auf zur Schule!“ mit meinem Gastbruder Santiago im Gepäck. Und dort war wortwörtlich der Teufel los. Schlagartig wurde ich zur Attraktion der ganzen Schule. Beinahe alle wollten mit mir ein Foto schießen und reden. Letzteres fiel mir natürlich noch nicht so leicht, da mein Spanisch zu Beginn noch etwas holprig war. Aber darüber wurde einfach immer mit einem freundlichen Lächeln hinweg geschaut und zur Not Englisch gesprochen. Doch schon nach den ersten zwei Wochen kam auch mein Spanisch in Schwung, obwohl es zu 80% eher noch aus Gorilla-Spanisch bestand. Neben der sprachlichen Umstellung gab es auch noch viele weitere Änderungen in meinem alltäglichen Leben und Rhythmus. So musste ich mich beispielsweise als ehemaliger Vegetarier daran gewöhnen, täglich Unmengen an Kuhfleisch zu essen. Auch der Unterricht in Argentinien läuft vollkommen unterschiedlich ab. So hebt man dort nicht brav die Hand, um sich zu melden, sondern ruft einfach ins Klassenzimmer rein. Aber nicht nur das! Auch der Umgang mit den Lehrkräften ist dort eher lockerer als bei uns. So kommt es durchaus vor, dass sich Lehrer und Schüler duzen oder gar einen Begrüßungskuss geben. Neben all diesen Umstellungen, gab es allen anderen voran eine, die mich wie ein König fühlen ließ. So ist es in Argentinien nicht wie in Deutschland unbezahlbar sich ein Taxi zu nehmen. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Egal wann egal wo ich war, es hieß immer: „Komm Yannick, lass und ein Taxi nehmen“.

Aber nun Schluss mit den Vergleichen und auf zum Sozialen. Anschluss habe ich dank der absolut aufgeschlossenen Art der Argentinier überraschend schnell gefunden. Man küsst sich nämlich nicht nur gerne, die Argentinier sind auch über alle Maßen gast- und kontaktfreudig. So habe ich mich mehrmals die Woche mit meinen Freunden zum „Ratschen“ getroffen, wobei natürlich eine gute Tasse „Mate“ nie fehlen durfte. Oft verabredeten wir uns auch in den dort typischen „Panaderias“. In Argentinien trifft man sich nämlich nicht wie bei uns in Cafés sondern in Bäckereien, wo man gemütlich zusammensitzt, „masitas“ oder „pan con queso“ ist und sich über das neueste Geschehen austauscht. Die „Gauchos“ sind im Übrigen nicht nur sehr kommunikativ und offenherzig, sondern auch immer zum Feiern bereit. Egal ob in normalen Diskos oder auf den bombastischen Geburtstagsfeiern der 15-Jährigen, es wird durchgehend gefeiert, zu jedem irgendwie positiven Anlass.

Nach etwa zwei Monaten fühlte ich mich schließlich komplett akklimatisiert und war innerlich schon ein halber Argentinier. Nicht einmal in meinen wildesten Träumen dachte ich mehr daran, zurückkehren zu wollen. Doch nach 5,5 Monaten voller neuer Impressionen neigte sich alles dem Ende zu. In einer Woche hieß es dann „Chau Argentina – Hallo Deutschland“. Ich versuchte noch hektisch alle Dinge zu erledigen, die ich im letzten halben Jahr nicht geschafft hatte zu tun. Ich traf mich noch einmal mit meinen besten argentinischen Freunden und versuchte so viel „Mate“ und „Dulce de Leche“ wie nur irgendwie möglich in mich hineinzustopfen. Doch das alles half nichts, am 14.08.2012 musste ich meinen Rückflug in die in diesem Moment nicht so geliebte Heimat antreten. Etwas flau im Magen war mir dabei schon, als ich das Flugzeug Richtung London betrat. Doch eins wusste ich in diesem Moment ganz genau: „Dieses halbe Jahre würde ich nie vergessen!“

Mein Auslandsjahr in den USA hat eigentlich schon 3 Monate vor der eigentlichen ‚Reise’ begonnen, nämlich als ich mich dafür angemeldet habe.

Es war zugegebenermaßen eine schwierige Entscheidung, doch letztendlich eine Entscheidung, die ich nicht hätte besser machen können!

Es war alles sehr kurzfristig entschieden und trotzdem hat Kolumbus High School es geschafft, eine tadellose Organisation durchzuführen. Ich habe mir viele Organisationen angeschaut, doch keine dieser hatte einen so kurzfristigen Service im Angebot. Ich konnte mir sogar die Region aussuchen, in die ich wollte und bin folglich nach Vero Beach in Florida, an die Indian River Charter High School gegangen.

Am Tag vor meiner Abreise – einem Donnerstag – war ich sehr aufgeregt und sehr gespannt, aber auch ängstlich, meine Familie hinter mir zurückzulassen. Jedem, der diesen Schritt wagt, wird es so gehen, doch man muss über seinen eigenen Schatten springen und den Versuch wagen, denn die Ergebnisse dieses Jahres sind unglaublich und nichts anderes könnte einem ein solches Gefühl von Unabhängigkeit verschaffen, geschweige denn ein so gutes Englisch.

Die erste Erfahrung die ich gemacht habe war ohne perfekte Sprachkenntnisse einen Anschlussflug an einem der größten Flughäfen der Welt zu bekommen, was überraschenderweise sehr einfach war. Im Flugzeug habe ich mich die ganze Zeit mit einem texanischen Rocker unterhalten, der sehr freundlich war und mich schon mal ein bisschen in die amerikanische Kultur eingewiesen hat.

Als ich dann in Orlando angekommen bin, hat mich meine Koordinatorin der Partnerorganisation von Kolumbus abgeholt und mich in mein Hotel gebracht. Wir durften noch 2 Tage mit anderen Austauschschülern dort bleiben, um die unglaubliche Stadt Orlando kennen zu lernen. Ich hätte mir ehrlich keinen besseren Start in mein Auslandsjahr vorstellen können. Wir sind in das ‚UpsideDownHouse’ gegangen, haben Lasertec gespielt, sind im Pool schwimmen gegangen und haben uns zu einer gemeinsamen Besprechung für das kommende Jahr zusammengefunden. Den Rest der Zeit habe ich mit Austauschschülern aus der ganzen Welt verbracht, wir durften machen was wir wollten, sei es shoppen oder doch einfach nur relaxen. Auch jetzt wo ich wieder in Deutschland bin, habe ich noch sehr viel Kontakt zu all diesen Freunden.

Am Samstag dann haben uns unsere Gasteltern abgeholt. Es war mittags und als wir ‚Zuhause’ angekommen sind hatten wir erst einmal Zeit, uns das Haus anzugucken, unsere Eltern anzurufen und und und…

Dann als wir fertig waren haben unsere Gasteltern uns – mir und meiner schwedischen GastschwesterJ- die Stadt und alles Besondere dort gezeigt. Einkaufen waren wir direkt am Anfang sowohl Lebensmittel, was auf Grund der riesigen Supermärkte überwältigend war, als auch Anziehsachen, die sehr sehr günstig sind. Am nächsten Tag hatten wir noch einen Tag um uns einzugewöhnen und den Tag darauf ging es auch schon los: Mein erster High School Tag! Es war besser als ich ihn mir vorgestellt habe.

Anfangs bin ich zur Schule gekommen und habe im Office direkt meinen individuell zusammengestellten Stundenplan bekommen, den ich am Vortag bei einer weiteren Infoveranstaltung gemacht habe. Er bestand – so komisch es klingt – aus Englisch, Sport, Beach Volleyball, Mathe, Spanisch und Geschichte. In jedem Fach an diesem Tag wurde ich namentlich vorgestellt und das Interesse der Mitschüler war überwältigend. Besonders in Sport als wir Fußball gespielt haben. An meiner Schule gab es außerdem auch so genannte „Homebases“, dies sind Räume wo sich nur bestimmte Gruppen aufhalten dürfen um näher zusammenzurücken. Jeder hat eine und diese ermöglicht es einem wesentlich einfacher Kontakte zu knüpfen. Im Prinzip war somit der erste Schultag auch vorbei und genau der selbe bis auf ein paar kleine Abänderungen wiederholte sich dann bis zu meinem Abschied und ich war 100% zufrieden damit. Der Sport Unterricht war so wie ich ihn mir immer erträumt habe. Die Schüler durften entscheiden, ob wir Fußball, Football oder Kickball spielen. Ach ja, es war ein reiner Jungen-Kurs was es wesentlich angenehmer gemacht hat zu spielen. Es gab natürlich auch Kurse die eher mit Mädchen besetzt waren, wo dann mehr auf ihre Bedürfnisse eingegangen wurde.

Generell habe ich sehr schnell viele und gute Freunde gefunden, mit denen ich auch heute noch mindestens einmal in der Woche skype.

Ich habe vor meinem Aufenthalt sehr viel über den Kontakt mit meinen Eltern nachgedacht und ob es dort jegliche Probleme geben könnte, doch dies geschah nicht ansatzweise. Skype funktionierte einwandfrei. Sehr häufig hatte ich aber auch gar keine Lust zu skypen, weil ich so beschäftigt mit meinen Freunden und dem Sport war. Ich war sportlich sehr aktiv in Amerika. Ich habe sowohl Kickboxen als auch Fußball für meine High School betrieben und bin so sehr gut in Form geblieben. Es gab wirklich immer was zu tun und wenn nicht, dann haben mich meine Freunde einfach mit ihrem Auto abgeholt. In den Pausen sind wir fast regelmäßig einfach wirklich irgendwo hingefahren und haben gegessen und rumgeblödelt. Es war immer super und ein Riesenspaß!

Es gab so viele unglaublich schöne Momente die ich erlebt habe, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann, doch ein paar haben definitiv überwogen.

Zuerst einmal waren da die Besuche bei Disney World und Universal Pictures. Ich hab noch nie etwas so unglaublich Schönes und Aufregendes gesehen. Wer Harry Potter gesehen hat wird merken, dass er spätestens nachdem er das Butterbier (Selbstgebrauter nicht alkoholischer Drink) sich wie in Hogwards fühlt. Das Schloss von Disney World ist so getreu nachgebaut worden, dass man es kaum glauben kann. Und nicht nur das. In beiden ‚Parks’ sind so viele Attraktionen, die einen einfach überwältigen und ich kann nur empfehlen, es selbst auszuprobieren.

 

 

 

 

Ein weiterer super Moment in meinem Auslandsjahr war, als ich das entscheidende Siegtor beim Fußball gegen unsere Erzrivalen-Schule erzielt habe. Unbeschreiblich! Die Leute haben einfach nur noch gefeiert! Solche Erlebnisse sollte man wirklich nicht verpassen!

Aber es sind nicht nur die großen Momente, die das ganze Jahr prägen, es sind auch kleine Dinge, wie Kinobesuche, am Wochenende Football spielen mit Freunden oder in den Pool meiner Gastfamilie zu springen, wenn mir langweilig war! Doch eigentlich passierte das nicht sehr häufig. In einer Gastfamilie wird man sich zwar nie so fühlen wie in der eigenen Familie, doch man wird gewiss eine andere Rolle einnehmen, in der man sich bestimmt genauso oder noch wohler fühlt als zu Hause. Doch diese Erfahrung muss jeder selbst machen. Die Gastfamilien, zumindest die von denen ich gehört habe, achten besonders auf 2 Dinge: Halte dein Zimmer sauber und erledige deine Chores bzw. Aufgaben im Haushalt, wie beispielsweise Küche putzen, was für mich persönlich ein Klacks war. Es wurde wirklich nicht viel von mir erwartet.

Zum Thema Schule kann ich noch festhalten, dass das gesamte Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern viel besser ist als in Deutschland. Es wird sich umarmt, zumindest bei manchen, und wesentlich besser aufeinander eingegangen. Seien es Hausaufgaben oder persönliche Probleme. Man lernt dort in Amerika auch erwachsene Leute kennen, die zum Beispiel auch mit einem Paintball spielen gehen oder Quad fahren.

Wo ich gerade über super Erlebnisse spreche fällt mir ein, dass das Meer und unser See, wo man Wasserski und Jetski fahren konnte, ein einziger Traum war. Ich habe mich jedes Mal gefreut dort hinzugehen und es hat jedes Mal Spaß gemacht!

Letzten Endes war die Abreise das Traurigste am ganzen Jahr in Amerika. Viele Tränen wurden vergossen und zwar nicht nur von meiner Seite. Als alle meine Freunde versammelt waren, habe ich erst gesehen, wie viele Freunde ich eigentlich gefunden hatte und wie sehr ich mich entwickelt habe. Als ich plötzlich angefangen habe Englisch zu reden ohne überhaupt darüber nachzudenken, wie viel ich erreicht habe und wie viel ich geschafft habe. Auf dem Weg zum Flughafen hatte ich dann noch einmal viel Zeit über alles nachzudenken und mir ist aufgefallen, dass die Zeit so schnell vergangen ist, dass ich noch nicht mal Zeit für eine Abschiedsfeier hatte.

Abschließend kann ich sagen, dass mir das ganze Jahr unglaublich viel gebracht hat – mehr als ich mir erträumt hatte- und ich es jedem empfehlen kann!

Die Chance zu einer High School Experience ist einmalig und wird sich sonst nie wieder ergeben. Also nutzt eure Chance besser jetzt als nie! Egal wie es euch gefallen wird – es wird definitiv eine Erfahrung fürs Leben sein!

In der Schule wird man von allen angesprochen, tausende Fragen gestellt und jeder will mit die auf Facebook befreundet sein und vor allem aber dich auf Deutsch sprechen hören! Ich fand das Gefühl klasse, mal so im Mittelpunkt zu stehen und das man so viel Aufmerksamkeit bekommt. Denn alleine schon weil man Deutsche ist, ist man etwas besonderes und dadurch auch direkt als hübsch eingestuft. Mein erster Schulmonat war klasse, ständig haben sich die Jungs was niedliches ausgedacht, wie zum Beispiel sich auf Deutsch ”du bist schön” auf die Hand zu schreiben, mich anzuticken und dann ohne etwas zu sagen mir die Hand zu zeigen. Auch als ich Sport hatte kamen immer alle in der Pause und guckten mir zu und riefen Sachen (Meine Schule hatte keine Sporthalle, nur draußen gab es ein Feld). Ich habe schnell gemerkt dass ich dort willkommen bin und konnte mich dadurch gut einleben.

Meine beiden größten Probleme jedoch waren die Sprache und das Heimweh. Am Anfang hatte ich ziemlich stark Heimweh, da ich fast nichts verstanden habe und selber nur auf Englisch antworten konnte (wobei nur sehr wenige englisch sprechen) und mir erst als ich angekommen war klar wurde dass ich meine Familie und Freunde jetzt ein halbes Jahr nicht sehen werde. Ich war der festen Überzeugung, die Sprache nicht so schnell zu lernen wie ich es in den Erfahrungsberichten anderer Austauschschüler gelesen hatte und war sehr verzweifelt. Jedoch stellte sich heraus, dass das vollkommener Unsinn war! Man lernt super schnell und jeden Tag neue Dinge dazu. Ich habe nach eineinhalb Monaten angefangen Spanischunterricht zu nehmen, und meine Lehrerin sagte mir, dass man jede Woche einen Unterschied merkt. Und nach zwei drei Monaten waren die Leute, die ich zu Anfang des Auslandsaufenthaltes mal getroffen habe, unheimlich erstaunt wie gut ich Spanisch reden kann und wenn man so etwas hört freut man sich wahnsinnig!

Ich habe schnell Freunde gefunden, wobei es in Argentinien normal ist, in einer art ”Clique” zu sein, die dann auch einen Namen hat. Meine hieß ‘Lcb’, Abkürzung für ”las chicas del barba”, da (so wurde mir das zumindest erklärt) „el hombre del barba“ so viel wie „Gott“ bedeutet (wörtlich übersetzt jedoch : der Mann des Bartes) und meine Freundinnen haben dann einfach das Wort ”Mann” (hombre) gegen ”Mädchen” (chicas) ausgetauscht und so wurde daraus ”las chicas del barba”. Diese Gruppen lesen dann auch auf dem 15. Geburstag Karten vor oder zeigen Videos.
Ein Highlight bei einem Auslandsjahr in Argentinien ist auf jeden Fall ein 15. Geburtstag eines Mädchens. Die werden dort nämlich wie Hochzeiten gefeiert! Ein großer Saal wird gemietet, mit DJ und Buffet und allem drum und dran! Manchmal werden auch Make-up Artisten eingeladen, die einen dann schminken und der Abend ist in bestimmte ”Phasen” eingeteilt. Am Anfang trudeln alle Gäste ein und unterhalten sich nett, es gehen Kellner mit Sektgläsern und kleinen Snacks herum und es läuft leise Musik. Der Saal ist meistens wunderschön geschmückt und alle sehen super aus (für Mädchen ist es Pflicht ein schönes Kleid und High Heels zu tragen). Dann kommt irgendwann das Mädchen mit einem von ihr ausgesuchten Song und ihrem Vater an der Hand in einem wunderschönen Ballkleid rein und alle dürfen sie einmal umarmen. Dann wird wieder geredet und die Atmosphäre war einfach toll! Dann wird zwischendurch getanzt (oft zu Cumbia, wer nach Argentinien geht wird oft von dieser Musikrichtung hören) und dann gegessen und zwar nicht wenig! Es gibt meistens sehr viel Auswahl. Tradition ist auch der Süßigkeitentisch mit viel Schokolade, Bonbons und Torten gegen 2 Uhr nachts. Dann setzten sich alle hin und es werden Videos und Fotos mit Musik gezeigt und Freundinnen lesen Karten vor. Daraufhin werden die Kerzen auf der (meist riesigen) Geburtstagstorte ausgepustet und getanzt. Irgendwann werden dann bunte Armbänder, Knicklichter, Perücken und aller möglicher Krimskrams verteilt! Ich habe diese Abende sehr genossen, denn sie waren jedes Mal einzigartig.

Ich habe in meinem Auslandsjahr jedoch nicht nur schöne Zeiten gehabt. Mir ging es nach circa zweieinhalb Monaten ziemlich schlecht, da ich einen sehr heftigen Kulturschock bekommen hatte und nicht wusste damit umzugehen. Unter Kulturschock versteht man jedoch nicht, das geschockt sein von der fremden Kultur, sondern viel mehr das Gefühl, man sei anwesend, aber man lebt nicht wirklich. Alles um einen herum passiert einfach und du kannst nichts realisieren. Dadurch machst du dir ständig Vorwürfe nicht genug aus deinem Auslandsjahr mitzunehmen und es gar nicht komplett auszuleben. Wenn ihr in so eine Phase kommen solltet: Es geht vorbei! Es ist zwar ein sehr lähmendes Gefühl und nicht leicht damit umzugehen aber es geht vorbei! Und danach habt ihr eine der besten Zeiten eures Lebens, mit Sicherheit!

Ich habe viele Dinge in Argentinien gemacht, an die ich mich immer erinnern werde. Nachts im Pool schwimmen, auf Partys mit Freunden tanzen, das beste Essen der Welt (argentinisches Barbecue, auch „asado“ genannt), an den Strand und mit dem Boot über den Fluss fahren (was nebenbei bemerkt eine der schönsten Sachen ist, da man dadurch der Natur sehr nah ist). All die neuen Freunde die du dort findest und vor allem deine neue Familie werden dir unheimlich ans Herz wachsen. Ich hatte eine 14 jährige Gastschwester (also ein Jahr jünger als ich) und wir sind wie richtige Schwestern, ich habe eigentlich immer alles mit ihr zusammen gemacht, da wir in die gleiche Klasse gingen, in einem Zimmer gelebt haben und den gleichen Freundeskreis hatten. Zwischendurch war das jedoch auch sehr nervig, aber das ist ja denke ich normal bei Geschwistern . Umso schwerer war es dann Abschied zu nehmen. Alle meine Freunde kamen am letzten Abend und wir haben zusammen Pizza bestellt, gelacht und geredet. Als wir dann gegessen haben, haben sie einen Krug genommen, Cola reingeschüttet und jeder, der gerade den Krug hatte musste etwas sagen und dann einen Schluck daraus nehmen. Es kamen sehr viele lustige und schöne Dinge dabei raus und ich habe den ganzen Abend ab da an fast nur noch geweint, zusammen mit meinen besten Freundinnen. Ab 12 Uhr nachts ging dann alles schief, wir hatten Stromausfall, mein Koffer war noch nicht gepackt, ich musste noch duschen gehen und mein Handy hatte fast keinen Akku mehr (was ich jedoch nicht aufladen konnte, da wir ja kein Strom mehr hatten). Also musste ich bei Kerzenlicht alle meine Freunde verabschieden, und das vielleicht für immer und man möchte einfach nicht loslassen. In Deutschland wusstest du, dass du in 5 Monaten wieder kommst, aber in Argentinien weißt du nicht ob und wann du wiederkommst, das ist echt ziemlich hart.

Dann bis 3 Uhr noch mit einer Kerze meinen Koffer gepackt, geduscht und Karten für meine Familie geschrieben und dann gegen 5 Uhr wurde ich von einem Bus abgeholt. Ich habe sehr geweint als ich meine Familie verabschiedet habe, vor allem aber meine ”kleine” Schwester. Die hat das alles nicht realisieren können und hat die fünf darauffolgenden Tage nur noch geweint, aber in diesem Augenblick nicht. Ich bin dann zum Flughafen in Buenos Aires gefahren und von da aus nach London geflogen. Mein Handy hatte wie gesagt fast keinen Ákku mehr und ich hatte nirgends Empfang, sodass ich wusste meine Mutter zu Hause in Deutschland macht sich große Sorgen, doch ich konnte nichts machen als abzuwarten in London zu landen. Dort konnte ich endlich Bescheid geben, dass alles in Ordnung war. In Frankfurt angekommen, hab ich mein Gepäck gesucht und bin dann in der Empfangshalle von meiner Familie herzlich in Empfang genommen worden. Ich war überglücklich sie wieder zu sehen und konnte das jedoch auch noch gar nicht realisieren wieder zurück zu sein.

Zuhause angekommen bin ich nichtsahnend in das Wohnzimmer gelaufen und habe dort meine Freunde vorgefunden die eine Überrauschungsparty gemacht haben. Alle natürlich sofort in Tränen ausgebrochen und dann gab es erstmal viel zu erzählen! In meinen ersten Tagen und Wochen, hatte ich zwischendurch Probleme mit der deutschen Sprache und vor allem mit dem Jetlag. Aber nach drei Wochen ging das dann auch alles wieder und mittlerweile habe ich mich relativ gut wieder eingelebt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mein Auslandsjahr einfach wunderschön war und ich viele tolle Erfahrungen sammeln durfte. Zudem habe ich mich sehr verrändert, was mir auch oft gesagt wird. Ich bin erwachsener und selbstbewusster geworden, sogar mein Freundeskreis hat sich ein wenig geändert. Deswegen kann ich allen nur raten, macht ein Auslandsjahr, das wichtigste ist nur, zu merken, dass ihr dafür bereit seid. Denn es wird vieles verändern und ihr werdet vieles dazu und zu schätzen lernen, vor allem in einem Land wie Argentinien!