Archiv für Oktober 2012

Ich bin jetzt knapp über einen Monat hier in Dublin und es wird immer mehr zum Alltag für mich. Es ist nichts Besonderes mehr, dass man die ganze Zeit auf Englisch redet und es fällt mir auch weniger schwer als am Anfang. Teilweise denke ich schon auf Englisch und dass ist ja eigentlich ganz gut.

Die Schule hier ist verglichen zu der deutschen Schule total anders. Erstmal gibt es, anders als in Deutschland, keine verschiedenen Schulen wie Gymnasium, Realschule und so weiter. Es gibt nur Secondary Schools, auf die dann alle Kinder nach der Primary School gehen. Demzufolge ist der Unterricht auch viel einfacher. Deshalb wurde ich in Französisch schon für eine Franzosin gehalten und in Mathe für ein Genie. Das ist auf der einen Seite echt erstaunlich, aber auf der anderen auch lustig.

Hier in Irland gibt es ein Transition Year, das wäre bei uns sozusagen die 10. Klasse.

Das Transition Year, ist dazu da, sich selbst neu zu entdecken, seine Stärken herauszufinden und um möglichst viel an Fächern auszuprobieren. Man bekommt dann ganz viele verschiedene Fächer, wie zum Beispiel   „Classical Studies“, wo man etwas über die Griechen und Römer lernt oder „Hair and Beauty“. Naja, der Name verrät eigentlich alles. (Ich bin auf einer Mädchenschule.)

Der 1. Schultag war total verwirrend, weil es einfach so viel Neues auf einmal gab. Neue Schule, neue Lehrer, neue Fächer, neue Mitschüler… und alles auf einer anderen Sprache. Am Ende des Tages war ich so überfüllt mit Informationen, dass ich die Hälfte wieder vergessen hatte. Falls ihr einen Auslandsaufenthalt macht, möchte ich euch einen Tipp geben: Habt nicht zu hohe Erwartungen; das heißt stellt euch nicht darauf ein, dass sich jeder für euch interessiert und dass alle auf euch zukommen. Es kann so sein, muss es aber nicht. Bei mir war es etwas schwieriger, weil die Leute in meiner Klasse nicht ganz so kontaktfreudig waren, aber mittlerweile bin ich nicht mehr im Transition Year, sondern im 5th Year, also eine Klasse höher, weil ich mich im TY ziemlich gelangweilt habe. Das ist halt nicht für jeden was und es war überhaupt kein Problem zu wechseln und in meiner Klasse jetzt fühle ich mich total wohl und der Unterricht ist auch nicht mehr so langweilig. Ein Fach, das ich sehr gerne mag ist Home-Economics, das ist so etwas ähnliches wie Hauswirtschaft und es geht hauptsächlich um Essen und manchmal kochen wir auch.

Was die Schuluniform angeht: Zuerst war es sehr ungewohnt und die Schuluniform ist auch nicht gerade hübsch, weil der Rock so lang ist. Aber man gewöhnt sich dran und man braucht morgens auch nicht mehr so lang. Ob ich Schuluniformen gut finde oder nicht, darüber könnte ich jetzt Seiten schreiben, deshalb lass ich es lieber ganz ;)

Ich liebe es in Dublin zu leben, weil es einfach eine wunderschöne Stadt ist. Es gibt viele alte Gebäude und Sehenswürdigkeiten, aber gleichzeitig ist es auch total modern und man kann hier super Shoppen gehen. Außerdem ist es total schön am Meer zu wohnen, es ist zwar zu kalt um Schwimmen zu gehen, aber man kann Joggen gehen oder sich einfach ans Meer setzen und sich den Wind durch die Haare wehen lassen.

Langsam lerne ich immer mehr Leute kennen, viele Iren, aber auch viele Austauschschüler aus allen Teilen der Welt. Man ist sozusagen ein Völkerverständiger, einmal habe ich versucht einer Irin zu erklären, dass man in Deutschland nicht nach jeder Mahlzeit rülpst… Wo auch immer sie dieses Gerücht aufgeschnappt hat.

Heimweh hatte ich bisher noch nicht. Es gab Tage an denen ich mich hier nicht wohlgefühlt habe, aber ich wollte nie nach hause. Ich habe mehr versucht, es als eine Erfahrung zu sehen, wenn es mir schlecht ging. Allerdings lernt man hier die alltäglichen Dinge, die man in Deutschland hat, vielmehr zu schätzen. Zum Beispiel, dass ich in Deutschland manchmal von meiner Mutter abgeholt werde, wenn ich länger weg bin. Hier muss ich immer auf den Bus warten, was manchmal länger dauern kann.

Außerdem vermisse ich es Handball zu spielen. Hier bin ich jetzt im Basketballteam der Schule und bald fängt die Saison an, da freue ich mich schon riesig drauf.

Es passiert einfach so viel und ich entwickle mich komplett neu, ich probiere Sachen aus, die ich in Deutschland nie gemacht hätte und dass ist wirklich eine gute Sache. Von daher bereue ich es bisher kein bisschen mich für einen Auslandsaufenthalt in Irland entschieden zu haben.

Am 23. August bin ich zusammen mit meiner Familie zum Flughafen gefahren, am Schalter habe ich mich dann mit einem Freund getroffen, den ich bereits vom Vorbereitungsseminar kannte. Zusammen haben wir dann unser Gepäck abgegeben, was zum Glück nicht zu schwer war, sodass ich zum Glück nichts auspacken musste… Am Check-in habe ich mich von meiner Familie verabschiedet, im Prinzip war es ziemlich kurz, weil es für mich einfach nicht realisierbar war, dass ich sie erst in 7 Monaten wiedersehe, also war ich auch kein bisschen traurig oder hab geweint, wie man es so oft hört.

Im Gegenteil, als ich mich umdrehte, verspürte ich viel mehr ein aufregendes Kribbeln im Bauch: Endlich ging es los, mein Abenteuer! Zusammen sind wir dann durch den Sicherheitscheck. Am Gate haben wir dann noch einen dritten getroffen, den ich vom Vorbereitungsseminar kannte, wir haben über alles Mögliche geredet, sodass die Zeit bis wir ins Flugzeug gelassen wurden, rasend schnell verging. Circa 2 h später, landeten wir am Airport Dublin, dort haben wir schon weitere Austauschschüler kennengelernt. Nachdem ich mein Gepäck gefunden hatte, machte ich mich auf die Suche, nach einem Schild, dass meinen Namen trug, denn ich wusste nur, dass ich von einer „Betreuerin“ von der Organisation hier in Dublin abgeholt werde, jedoch nicht wie sie aussieht. Nach dem Lesen unzähliger Namen, konnte ich dann schließlich auch meinen Namen ausmachen. Zusammen mit 3 anderen Austauschschülern und der Betreuerin haben wir auf ein Taxi gewartet, dass allerdings erst mal auf sich warten ließ… Als es dann endlich kam, ist mir direkt der erste Unterschied zu einem deutschen Taxi aufgefallen, der Fahrer saß rechts und das Taxi fuhr links. Das Auto war relativ groß, hinten standen sich jeweils 3 Sitze gegenüber, sodass wir genug Platz hatten. Nachdem wir die Erste Schülerin abgesetzt hatten, wurde ich etwas nervös, weil ich wusste, dass der nächste Halt an meinem neuen zu Hause sein würde. Als das Taxi dann hielt, wir geklingelt hatten, öffnete sich die Tür und dahinter stand eine Frau mit einem warmen Lächeln. Sie begrüßte mich herzlich und rief meine Gastschwester dazu, die draußen mit Freunden spielte. Sie hat mir dann mein Zimmer gezeigt, was eigentlich ganz schön war. Wir waren dann einkaufen, meine Gastmutter hat mir die Bahnstation gezeigt und wir waren bei meinen Gastgroßeltern, die total lieb sind. Als wir gingen, schaute meine Gastmutter mich an und  fragte: „Wie war dein Name noch mal, Bello?“ Meine Gastoma ist echt total niedlich. Der erste Tag war richtig aufregend, weil es soviel Neues auf einmal gab, dass ich kaum Zeit hatte, darüber nachzudenken.

Am nächsten Tag haben wir uns von der Organisation aus an der Spire getroffen, das ist eine 120 m hohe Metallspitze im Zentrum Dublins und eine zentraler Treffpunkt. Ich finde die Spire ziemlich praktisch, weil man durch sie einen guten Überblick über das Stadtzentrum hat. Von ihr geht nämlich die große Einkaufspassage ab und wenn man sich mal verläuft, muss man einfach über den Dächern der Stadt nach einer silbernen Spitze suchen und man weiß ungefähr wo man ist. Ich spreche da aus Erfahrung. Aber wenn man sich mal verläuft, ist das gar kein Problem, weil die Dubliner so unglaublich nett sind und einem gerne helfen. Ich habe noch keinen Iren getroffen, der nicht versucht hat mir zu helfen, oft fangen sie dann noch ein Pläuschen an, erzählen zum Beispiel von ihren Kindern und welche Hobbys sie haben und erkundigen sich, wo man denn herkomme. Im Allgemeinen sind die Iren einfach besonders, ich habe mir in letzter Zeit oft eine Bahnfahrkarte gekauft und irgendwann schaute mich der Verkäufer an und fragte, ob ich meinen Aufenthalt hier genieße. Ich glaube, ich habe das vor einer Woche erwähnt und er hat es immer noch gewusst, das hat mich echt beeindruckt. Aber zurück zu dem Tag, als wir uns an der Spire getroffen haben: Kurz gesagt, der Tag war einfach nur genial! Man hat Leute wieder getroffen, die man schon kannte und auf die ich mich echt riesig gefreut habe, aber man hat auch so unglaublich viele neue Leute kennengelernt: andere Deutsche, Spanier, Franzosen und Mexikaner. Es ist einfach eine Tatsache: So viele Menschen wie ich jetzt in diesen 7 Monaten kennenlerne, werde ich sobald nicht wieder kennenlernen und darauf freue ich mich riesig.

In meiner ersten Woche hier (ich hatte noch Ferien) habe ich mich größtenteils mit Freunden verabredet, die ich hier kennengelernt habe. Wir waren am Strand, wir waren in Cafes und wir waren Shoppen. Einer meiner ersten Einkäufe hier, war ein Regenschirm. Ich finde es unglaublich, dass ich meine Koffer gepackt habe, um 7 Monate in Irland zu leben und meinen Regenschirm vergessen habe.

Worüber ich euch auch noch erzählen muss, ist der Verkehr hier. Erstmal fahren alle Fahrzeug auf der linken Seite, da kann es schon mal passieren, dass man beim Warten auf den Bus in die falsche Richtung guckt oder sogar auf der falschen Seite steht. Daran gewöhnt man sich aber relativ schnell. Ich werde aber wohl noch Zeit brauchen, bis ich mich an das Busfahren hier gewöhnt habe. Denn die Busse hier haben ihr eigenen Regeln. Erstmal ist es schwer die Haltestellen zu finden, denn diese sind einfach durch einen gelben Pfahl mit einer Nummer gekennzeichnet, an dem man auch gerne mal vorbeiläuft. An diesem Pfahl findet man dann nur sehr selten einen Plan, der einem verrät welcher Bus hier wann hält; muss man sich also vorher informieren. Oft kann es dann sein, dass man scheinbar unendlich lange wartet und wenn der Bus dann kommt, wartet bloß nicht darauf, dass er einfach hält! Man muss sich an den Rand stellen und irgendein Erkennungszeichen geben, manchmal reicht es die Hand zu heben, manchmal muss man aber auch winken, wie ein Gestrandeter auf einer einsamen Insel. Wenn man in den Bus einsteigt, sollte man möglichst immer Kleingeld parat haben, denn auf Wechselgeld wartet man vergeblich. Das Busfahren selber ist aber ziemlich cool, weil es Doppeldecker sind und der beste Platz ist eindeutig ganz vorne, wo man den besten Ausblick hat. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland: Hier gibt es gelbe Ampelmännchen, die hier aber eigentlich völlig überflüssig sind, da sowieso alle Iren über Rot gehen, wenn mal jemand an einer roten Ampel stehen bleibt, ist es eigentlich immer ein deutscher Tourist, der dann verwirrt den ganzen Iren hinterherstarrt. Oft muss dann mal ein Bus eine kleine Biegung machen um niemanden zu überfahren.

Wenn ich meinen Koffer jetzt noch einmal packen könnte, hätte ich meinen Sommerhut dagelassen, (als ich geflogen bin, war es in Deutschland so warm, dass ich dachte, ich würde ihn hier vielleicht brauchen) und stattdessen hätte ich mehr Creme und Shampoo eingepackt, weil das hier einfach total teuer ist. Die gleichen Sachen, die ich in Deutschland habe, kosten hier meist mehr als das Doppelte. Ich freue mich schon auf mein Geburtstagspäckchen, dass dann vielerlei solche Sachen beinhalten wird. Aber bis zu meinem Geburtstag dauert es noch ein paar Monate. Ich kann gar nicht glauben, dass ich so lange hier bleibe, denn momentan fühlt es sich einfach an wie Urlaub. Das wird sich dann wahrscheinlich ändern, wenn die Schule anfängt…

So jetzt ist es soweit. Mein halbes Jahr in Argentinien steht vor der Tür. Alles worauf ich so lange gewartet und mich so darauf gefreut habe wird jetzt endlich Wirklichkeit! Ich bin am Samstag, den vierten August gegen zwanzig vor zwei (mittags) von meinem Zuhause in Münster mit meiner Familie Richtung Frankfurt losgefahren und nach knapp zweieinhalb Stunden dort angekommen. Zuerst haben wir mein Gepäck aufgegeben und ein sehr netter junger Mann hat mir alles genauestens erklärt, da ich ziemlich Angst vor dem Umsteigen in London hatte. Zum Abflug waren es aber noch knapp zwei Stunden also haben wir uns am Flughafen ein paar Stühle gesucht und die letzte Zeit zusammen genossen. Zu diesem Zeitpunkt realisiert man jedoch noch nicht, dass dies die letzten Stunden sein werden für die nächsten 5 Monate. Gegen viertel vor 7 sind wir dann zum Check-in und es hieß: Abschied nehmen! Das ist echt hart, seine Familie für das nächste halbe Jahr zu verlassen und zu wissen, dass man sie erst in 5 Monaten wiedersieht! Für mich war der Abschied anfangs schwer, doch als ich dann zum letzten Mal zurück geschaut und in die lächelnden Gesichter meiner Familie geblickt habe, war für mich der schlimmste Teil vorbei und ich hab mich voll und ganz auf die Flüge konzentriert. Ich musste durch zahlreiche Sicherheitskontrollen und wie gesagt in London umsteigen, was sich als ganz einfach herausstellte, da alles sehr gut ausgeschildert war und dir die Leute dort auch gerne helfen. Nach circa 25 Stunden war ich dann in Buenos Aires angekommen, suchte mein Gepäck und wurde auch schon von meiner Betreuerin, ihrem Mann und Yannick (einem deutschen Austauschschüler, der dort jedoch schon seid knapp 5 Monaten lebte) super lieb in Empfang genommen. Den Tag habe ich dann auf den Märkten Buenos Aires verbracht und in dem wunderschönen Viertel ”La boca”. Jedoch wollte ich eigentlich nur in meinem neuen Zuhause ankommen und war ganz aufgeregt, wer nun meine neue Familie sein wird!:-)

Iguazu Wasserfälle High School Argentinien

Nach einer 4-stündigen Fahrt bin ich dann gegen 11 Uhr am Haus meiner Gastfamilie angekommen. Sie wohnten in einer kleinen Wohnung in einem für deutsche Verhältnisse eher ärmlichen Viertel. Als ich in dieser Nacht durch die Straßen fuhr, war ich sehr erstaunt und eher ”geschockt”, da ich mir alles ganz anders vorgestellt habe. Auf den Straßen fährt jeder wie er will. Es gibt nicht wie bei uns Wohngegenden mit Einfamilienhäusern oder so etwas, sondern nur ”Blocks” und es laufen überall streunende Hunde herum und es gibt sehr viele obdachlose Menschen. An all das gewöhnt man sich jedoch schnell und ich denke man lernt dadurch auch das was man in Deutschland so alles hat sehr zu schätzen. An diesem Abend kam ich also in mein neues Zuhause, und wurde direkt herzlich empfangen. Meine Gastschwester begleitete mich in unser gemeinsames Zimmer und wir packten gemeinsam meinen Koffer aus. Sie war sofort sehr aufgeschlossen und hat mit mir ein Gespräch auf Spanisch geübt, um zu schauen wie viel ich verstehe. Danach gab es dann noch selbstgemachte Pizza und ich redete ein wenig mit meiner Familie (so viel wie ich eben konnte was jedoch sehr wenig war). Sie schienen mir gleich sympathisch und ich fiel gegen 12 Uhr, nachdem ich fertig gegessen und geduscht habe, dann endlich in mein neues Bett! Am nächsten morgen bin ich jedoch direkt in die Schule gefahren, wobei man eigentlich denken müsste ich wäre viel zu müde gewesen aber durch den Jetlag war ich hellwach. In der Schule wird man von allen angesprochen, tausende Fragen gestellt und jeder will mit dir auf Facebook befreundet sein und vor allem aber, dich auf Deutsch sprechen hören! Ich fand das Gefühl klasse, mal so im Mittelpunkt zu stehen und das man so viel Aufmerksamkeit bekommt. Denn alleine schon weil man Deutsche ist, ist man etwas besonderes und dadurch auch direkt als hübsch eingestuft. Mein erster Schulmonat war klasse, ständig haben sich die Jungs was niedliches ausgedacht, wie zum Beispiel sich auf Deutsch ”du bist schön” auf die Hand zu schreiben, mich anzuticken und dann ohne etwas zu sagen mir die Hand zu zeigen. Auch als ich Sport hatte kamen immer alle in der Pause und guckten mir zu und riefen Sachen (Meine Schule hatte keine Sporthalle, nur draußen gab es ein Feld). Ich habe schnell gemerkt dass ich dort willkommen bin und konnte mich dadurch gut einleben.

Meine beiden größten Probleme jedoch waren die Sprache und das Heimweh. Am Anfang hatte ich ziemlich stark Heimweh, da ich fast nichts verstanden habe und selber nur auf Englisch antworten konnte (wobei nur sehr wenige englisch sprechen) und mir erst als ich angekommen war klar wurde dass ich meine Familie und Freunde jetzt ein halbes Jahr nicht sehen werde. Ich war der festen Überzeugung, die Sprache nicht so schnell zu lernen wie ich es in den Erfahrungsberichten anderer Austauschschüler gelesen hatte und war sehr verzweifelt. Jedoch stellte sich heraus, dass das vollkommener Unsinn war! Man lernt super schnell und jeden Tag neue Dinge dazu. Ich habe nach eineinhalb Monaten angefangen Spanischunterricht zu nehmen, und meine Lehrerin sagte mir, dass man jede Woche einen Unterschied merkt. Und nach zwei drei Monaten waren die Leute, die ich zu Anfang des Auslandsaufenthaltes mal getroffen habe, unheimlich erstaunt wie gut ich Spanisch reden kann und wenn man so etwas hört freut man sich wahnsinnig!

Ich habe schnell Freunde gefunden, wobei es in Argentinien normal ist, in einer art ”Clique” zu sein, die dann auch einen Namen hat. Meine hieß ‘Lcb’, Abkürzung für ”las chicas del barba”, da (so wurde mir das zumindest erklärt) „el hombre del barba“ so viel wie „Gott“ bedeutet (wörtlich übersetzt jedoch : der Mann des Bartes) und meine Freundinnen haben dann einfach das Wort ”Mann” (hombre) gegen ”Mädchen” (chicas) ausgetauscht und so wurde daraus ”las chicas del barba”. Diese Gruppen lesen dann auch auf dem 15. Geburstag Karten vor oder zeigen Videos.
Ein Highlight bei einem Auslandsjahr in Argentinien ist auf jeden Fall ein 15. Geburtstag eines Mädchens. Die werden dort nämlich wie Hochzeiten gefeiert! Ein großer Saal wird gemietet, mit DJ und Buffet und allem drum und dran! Manchmal werden auch Make-up Artisten eingeladen, die einen dann schminken und der Abend ist in bestimmte ”Phasen” eingeteilt. Am Anfang trudeln alle Gäste ein und unterhalten sich nett, es gehen Kellner mit Sektgläsern und kleinen Snacks herum und es läuft leise Musik. Der Saal ist meistens wunderschön geschmückt und alle sehen super aus (für Mädchen ist es Pflicht ein schönes Kleid und High Heels zu tragen). Dann kommt irgendwann das Mädchen mit einem von ihr ausgesuchten Song und ihrem Vater an der Hand in einem wunderschönen Ballkleid rein und alle dürfen sie einmal umarmen. Dann wird wieder geredet und die Atmosphäre war einfach toll! Dann wird zwischendurch getanzt (oft zu Cumbia, wer nach Argentinien geht wird oft von dieser Musikrichtung hören) und dann gegessen und zwar nicht wenig! Es gibt meistens sehr viel Auswahl. Tradition ist auch der Süßigkeitentisch mit viel Schokolade, Bonbons und Torten gegen 2 Uhr nachts. Dann setzten sich alle hin und es werden Videos und Fotos mit Musik gezeigt und Freundinnen lesen Karten vor. Daraufhin werden die Kerzen auf der (meist riesigen) Geburtstagstorte ausgepustet und getanzt. Irgendwann werden dann bunte Armbänder, Knicklichter, Perücken und aller möglicher Krimskrams verteilt! Ich habe diese Abende sehr genossen, denn sie waren jedes Mal einzigartig.

Ich habe in meinem Auslandsjahr jedoch nicht nur schöne Zeiten gehabt. Mir ging es nach circa zweieinhalb Monaten ziemlich schlecht, da ich einen sehr heftigen Kulturschock bekommen hatte und nicht wusste damit umzugehen. Unter Kulturschock versteht man jedoch nicht, das geschockt sein von der fremden Kultur, sondern viel mehr das Gefühl, man sei anwesend, aber man lebt nicht wirklich. Alles um einen herum passiert einfach und du kannst nichts realisieren. Dadurch machst du dir ständig Vorwürfe nicht genug aus deinem Auslandsjahr mitzunehmen und es gar nicht komplett auszuleben. Wenn ihr in so eine Phase kommen solltet: Es geht vorbei! Es ist zwar ein sehr lähmendes Gefühl und nicht leicht damit umzugehen aber es geht vorbei! Und danach habt ihr eine der besten Zeiten eures Lebens, mit Sicherheit!

Ich habe viele Dinge in Argentinien gemacht, an die ich mich immer erinnern werde. Nachts im Pool schwimmen, bis 6 Uhr auf Partys mit Freunden tanzen, das beste Essen der Welt (argentinisches Barbecue, auch „asado“ genannt), an den Strand und mit dem Boot über den Fluss fahren (was nebenbei bemerkt eine der schönsten Sachen ist, da man dadurch der Natur sehr nah ist). All die neuen Freunde die du dort findest und vor allem deine neue Familie werden dir unheimlich ans Herz wachsen. Ich hatte eine 14 jährige Gastschwester (also ein Jahr jünger als ich) und wir sind wie richtige Schwestern, ich habe eigentlich immer alles mit ihr zusammen gemacht, da wir in die gleiche Klasse gingen, in einem Zimmer gelebt haben und den gleichen Freundeskreis hatten. Zwischendurch war das jedoch auch sehr nervig, aber das ist ja denke ich normal bei Geschwistern . Umso schwerer war es dann Abschied zu nehmen. Alle meine Freunde kamen am letzten Abend und wir haben zusammen Pizza bestellt, gelacht und geredet. Als wir dann gegessen haben, haben sie einen Krug genommen, Cola reingeschüttet und jeder, der gerade den Krug hatte musste etwas sagen und dann einen Schluck daraus nehmen. Es kamen sehr viele lustige und schöne Dinge dabei raus und ich habe den ganzen Abend ab da an fast nur noch geweint, zusammen mit meinen besten Freundinnen. Ab 12 Uhr nachts ging dann alles schief, wir hatten Stromausfall, mein Koffer war noch nicht gepackt, ich musste noch duschen gehen und mein Handy hatte fast keinen Akku mehr (was ich jedoch nicht aufladen konnte, da wir ja kein Strom mehr hatten). Also musste ich bei Kerzenlicht alle meine Freunde verabschieden, und das vielleicht für immer und man möchte einfach nicht loslassen. In Deutschland wusstest du, dass du in 5 Monaten wieder kommst, aber in Argentinien weißt du nicht ob und wann du wiederkommst, das ist echt ziemlich hart.

Dann bis 3 Uhr noch mit einer Kerze meinen Koffer gepackt, geduscht und Karten für meine Familie geschrieben und dann gegen 5 Uhr wurde ich von einem Bus abgeholt. Ich habe sehr geweint als ich meine Familie verabschiedet habe, vor allem aber meine ”kleine” Schwester. Die hat das alles nicht realisieren können und hat die fünf darauffolgenden Tage nur noch geweint, aber in diesem Augenblick nicht. Ich bin dann zum Flughafen in Buenos Aires gefahren und von da aus nach London geflogen. Mein Handy hatte wie gesagt fast keinen Ákku mehr und ich hatte nirgends Empfang, sodass ich wusste meine Mutter zu Hause in Deutschland macht sich große Sorgen, doch ich konnte nichts machen als abzuwarten in London zu landen. Dort konnte ich endlich Bescheid geben, dass alles in Ordnung war. In Frankfurt angekommen, hab ich mein Gepäck gesucht und bin dann in der Empfangshalle von meiner Familie herzlich in Empfang genommen worden. Ich war überglücklich sie wieder zu sehen und konnte das jedoch auch noch gar nicht realisieren wieder zurück zu sein.

Zuhause angekommen bin ich nichtsahnend in das Wohnzimmer gelaufen und habe dort meine Freunde vorgefunden die eine Überrauschungsparty gemacht haben. Alle natürlich sofort in Tränen ausgebrochen und dann gab es erstmal viel zu erzählen! In meinen ersten Tagen und Wochen, hatte ich zwischendurch Probleme mit der deutschen Sprache und vor allem mit dem Jetlag. Aber nach drei Wochen ging das dann auch alles wieder und mittlerweile habe ich mich relativ gut wieder eingelebt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mein Auslandsjahr einfach wunderschön war und ich viele tolle Erfahrungen sammeln durfte. Zudem habe ich mich sehr verrändert, was mir auch oft gesagt wird. Ich bin erwachsener und selbstbewusster geworden, sogar mein Freundeskreis hat sich ein wenig geändert. Deswegen kann ich allen nur raten, macht ein Auslandsjahr, das wichtigste ist nur, zu merken, dass ihr dafür bereit seid. Denn es wird vieles verändern und ihr werdet vieles dazu und zu schätzen lernen, vor allem in einem Land wie Argentinien!